Coup de foudre

Shakespeare «Romeo und Julia»

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Vierte Vorstellung. In der Gaußstraße tummeln sich zwei Hundertschaften blondschwänziger Sechzehnjähriger mit reichlich Kajal ums Auge und hiphopbehosten Mitschülern an der Seite und kichern verzückt, wenn Romeo das Hemd fallen lässt und den wohlgeformten Oberkörper zur Besichtigung freigibt. Schon im Foyer wird ordentlich auf die Pauke gehauen. Wir sind geladen beim Maskenball der Capulets, unter lauter muntere Untote, weiß die Brauen, Haare, Wimpern, die sich über den gläsernen Laufsteg zu Häupten des Publikums hangeln, das robust angeflirtet und eingemeindet wird.

Bis sie plötzlich allein da oben sitzen, Romeo und Julia mit naturbrünettem Haar und jugendfrischem Teint, und immer nur eins zu sagen scheinen: Boah, bist du toll! Coup de foudre.

Dann gehts rüber in den Theatersaal, und dort dreht sich entfesselt das zarte Mädchen im weißen Kleidchen und strahlt wie tausend Sonnen. Olivia Gräser spielt Julia ohne Rücksicht auf Verluste (an Ironie, Distanz, Coolness): das Glück, die Vorfreude, die Lust, den Schmerz, die Wut, die Angst. Allerdings hat ihr verliebter Romeo in der Gestalt Daniel Hoevels’ nicht sehr viel mehr zu bieten als moderate Wohl­erzogenheit und liebenswürdigen ...

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Theater heute Dezember 2007
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Barbara Burckhardt

Vergriffen
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