Das Kuscheltheater-Syndrom
Magst du für das Jahrbuch darüber schreiben, warum das Thalia Theater so toll ist?» Ein Super-Auftrag, den mir Franz Wille so en passant am Telefon mit auf den Weg gibt. Und ich bin auch noch so blöd, zuzusagen! Aber er wird Recht haben, mir wird ungeheuer vieles einfallen, schließlich bin ich wirklich gerne an diesem Theater.
Was also könnte ich schreiben, ohne von meinem sowieso viel gelobten Intendanten zu schwärmen, von meinen wunderbaren Kollegen, von dem großartigen Ensemble, den erfolgreichen Regisseuren, dem treuen Publikum, von Hannelore und Uwe, den beiden seelenvollen Kantinenwirten... Was, ohne in Eigenlob zu verfallen? In Betrachtung der letzten sieben Jahre fallen mir spontan folgende zwei Begebenheiten ein.
Thalheimer und die Meute im Foyer
September 2000, die Eröffnungspremiere der ersten Spielzeit unter Ulrich Khuon ist gerade gelaufen. Geschafft verlasse ich den Zuschauerraum, fühle mich selbst noch fremd in der biederen Holztäfelung des engen Thalia Foyers, da nimmt er Anlauf, der erste Schlag in die empfindliche Magengrube. Lässig von der Seite nörgelt ein Kritiker, den man unbenommen der intellektuellen Sorte zurechnen darf: Du, Sonja, wenn ihr diesen ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Thalia des Jahres: Selbstlob, Seite 44
von Sonja Anders
Das Stück des Jahres ist ein Kuriosum: Man kennt Elfriede Jelineks «Ulrike Maria Stuart» aus bisher drei Inszenierungen in Hamburg, München und Hannover, die jeweils nur einen Bruchteil des 120-Seiten-Textes benutzten. Das Werk selbst ist nicht veröffentlicht. Deshalb
fasst der Dramaturg Tilman Raabke zusammen, worum es geht – als Schauspiel-Führer.
Nachwuchsaut...
Zum dritten Mal schon wird Katrin Brack Bühnenbildnerin des Jahres.
Ihr Ein-Material-Konzept hat bereits etliche stückspezifische Metamorphosen durchlaufen: Zuletzt hat Brack Molière mit Luftschlangen beschossen und Kleist in den Regen gestellt. Luk Perceval, Dimiter Gotscheff und Samuel Finzi loben und preisen die Künstlerin im Gespräch.
Während die Bühnenbilder...
Die Steuerquellen sprudeln wieder, und der Finanzminister ist kein armer Mann mehr. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, im Kulturbereich wieder umzusteuern. Nach über zehn Jahren des Sparens, Konsolidierens, Deckelns und Effizienzsteigerns besteht an den Öffentlichen Bühnen mehr als Nachholbedarf.
Eine Reportage von Franz Wille über das Quotendenken an den...
