Von Lügen und Fantasie
Ein Junge, Nick, macht sich im Internet zu einem Mädchen. Ein anderer Junge, Adam, verliebt sich in das Mädchen, will es sehen, treffen, anfassen. Ein alltäglicher Plot aus der virtuellen Welt von «World of Warcraft» oder «Second Life». Die nur so wimmelt von Avataren, erfundenen Identitäten, erträumten Biografien. Von Lüge und Gegenlüge. Von Träumen und Verführung, von Naivität und Kriminalität. Pubertäre Schwindelei, ausprobieren, wie weit die Fantasie, die Verführungskräfte, vor allem die Macht über andere reichen.
Zum ersten Mal auf deutscher Bühne: Carlos Murillo, Jahrgang 1971. Murillo gewann zweimal den National Latino Playwriting Award, er wohnt und lehrt in Chicago. «Dark Play» ist ein well-made play: die Sätze kurz, schnell, authentisch, Nicks Spielereien, Erfindereien eine mitreißende Mischung aus Gewitztheit und Gefühl. Ein Theaterstück übers Chatten: Aber kein Chatroom auf der kleinen Zweitbühne in Aalens altem Rathaus – wie sollte der auch aussehen? Nicht mal ein Computer, im Gegenteil: an allen drei Wänden Schiefertafeln, wie Steintafeln für Hieroglyphen, für Runen. Die beiden Jungs schreiben mit Kreide, unlesbar, in Fantasieschrift, schreiben vorwärts, rückwärts, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ganz schön abgezockt: Da gewinnt ein Jungautor gleich mit seinem Debüt den Werkauftrag des Theatertreffen-Stückemarktes – und dann lässt er in eben diesem Auftragsstück einen Jungautoren, dessen Biografie an seine eigene erinnert, ausgiebig über das kreativitätsfeindliche Stückauftragswesen jammern.
Zunächst scheint es um die Unsinnigkeiten eines Theatermarktes zu...
So flott geht’s nicht mal bei Thalheimer: In gerade mal 70 Minuten ist «Faust I» abgehakt, vom Studierzimmer bis zum Kerker, von «Habe nun, ach …» bis «gerettet». Schließlich will man in insgesamt gut zweieinhalb Stunden nicht nur beide Teile von Goethes Tragödie durchmessen, sondern auch noch das Faust-Gedicht von Nikolaus Lenau, das zwischen 1833 und 1836 gezielt...
Die 60. Berlinale war ein Festival in einem tief verschneiten, eisglatten Berlin, und nicht einmal der omnipräsente, mopsfidele, genussfreudige und sehr selbstironische Chef Dieter Kosslick konnte verhindern, dass der Jubiläumsjahrgang in die Annalen eingehen wird als Festival der einsamen, schweigsamen, leider auch kriminellen Männer. Der deutsche Mann, so...
