Ein Ticket für die Wirklichkeit

Wolfram Lotz «Der große Marsch» am Theater Aachen

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«Ab jetzt bestimmt die Fiktion die Wirklichkeit!» Der Mann mit der Pelzkappe reißt das Fenster zur Straße auf. Eine frische Brise, Autolärm und Vogelzwitschern dringen in den stickigen Theaterraum hinein, und er brüllt hinaus: «Wir lassen uns von Gott nicht mehr umbringen!» Mit Re­volvern hatte der Bärtige, der Anarchist Michail Bakunin, zuvor in den Theaterhimmel geballert und gegen die «verschissene Ordnung» gewettert: «Ich bin nicht tot!»

Eine anarchistische Ader hat auch der Autor Wolfram Lotz.

Der Jungstar knallt den «Arschgesichtern» vom Theater Stücke vor den Latz, in denen er gerne mal das Fenster aufreißt, um Durchzug zu machen. Das Theater ist für ihn «der Ort, wo Wirklichkeit und Fiktion aufeinandertreffen, (…) wo beides seine Fassung verliert in einer heiligen Kollision». Was ist im Theater überhaupt wirklich oder möglich? Schon Lotz’ erstes Stück «Der große Marsch» stellt diese Fragen. Es ist eine Zumutung für jede Bühne und wird vielleicht gerade deshalb gerne nachgespielt. Der Theatertext über Theater – und so ziemlich alles andere – verlangt nicht nur den Auftritt von Anarchist Bakunin, Banker Josef Ackermann oder Autor Lotz höchstselbst, sondern auch «echte» ...

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Theater heute Juli 2015
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Jenny Schmetz

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