Verspielte Revolte
Nein, noch ist es nicht ganz vorbei mit den glücklichen Tagen des Kapitalismus, in denen sich unsere Gesellschaft Theater leisten kann und diese Theater Schauspieler, und die Schauspieler es sich wiederum leisten können, Musik zu hören und dazu kleine absurde Geschichten zu erfinden – alles ganz entspannt! «Wir werden siegen! Und das ist erst der Anfang» heißt der bunte Abend, den die Regisseurin Christiane Pohle zur neuen CD von Peter Licht «Lieder zum Ende des Kapitalismus» im Neuen Haus der Münchner Kammerspiele arrangiert hat, und, wer weiß, vielleicht ist das der Anfang eines n
euen Trends, statt der üblichen Videos auch mal Theater zu Musik zu produzieren.
Nun ist Peter Licht – oder wie auch immer der inzwischen in Köln beheimatete Schwabe mit bürgerlichem Namen heißen mag – ein Poplyriker, der mit federnden Texten («Die Schwerkraft ist überbewertet, und die Sonne kocht auch nur mit Wasser. Die soll sich nicht so aufspielen, die alte Sau!») das Hirn durchlüftet und die Alltagswelt ganz sanft ein wenig aus den Angeln hebt, zumindest so weit, dass man sich vom «Sonnendeck» (so der Titel seines Überraschungshits aus dem Jahr 2000) wieder einen Überblick über die wirklich ...
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Wusch. Die durch mindestens drei elektronische Fleischwölfe gejagte Version des Bee-Gee-Klassikers «Stayin’ alive» bläst dem Publikum fett ins Gesicht. Sie lässt die Bambusverkleidung der Bar erzittern, die Barbara Ehnes für «Die Vaterlosen» (nach Tschechows «Platonow») auf der Berliner Volksbühne errichtet hat, und sie fährt in die Glieder der urkomisch tanzenden...
Im Hotel tagt das Paralympische Komitee: Menschen in Rollstühlen, mit Bein- oder Armprothesen sitzen beim Nachtessen. Vor dem Hotel balancieren Jugendliche auf Stelzen und versuchen, das Prothesengefühl zu spüren. Drei Tage später ist die Welt im Paralympics-Hotel völlig verkehrt: Da ist nämlich Juventus Turin zu Gast, es ist Sonntagnachmittag, und die Spieler...
Alles Große am neuen, zweiten Band der nachlässig dahingeplapperten autobiografischen Lebenssaga des Peter Zadek, mit dem wir den achtzigsten Geburtstag im Mai begehen werden, ist eigentlich völlig unerträglich. Das dürfte einem Künstler von Zadeks Format gefallen, schon weil es seinen gottgleichen Status festigt. Die Götter haben ihre Menschenkinder immer bestraft...
