Kurzschlüsse und Melancholie
Kinderlosigkeit führt heute zu allem Möglichen, zu weiblichen Karriereplänen, demographischen Debatten, künstlichen Befruchtungen, Leihmüttern, aber nicht zu Mord. Hauptmanns «Ratten» aktualisieren zu wollen, wäre absurd. Zur Gegenwart aber gehört die selbstreferentielle Struktur dieses Dramas: wie es sich auf sich selbst beziehen muss, wenn es über die Gesellschaft reden will. Und das Beste an diesem monströsen Werk ist: dass es mit Humor und Selbstironie über sich spricht.
David Böschs Bochumer Inszenierung vergnügt sich und uns mit dieser humoristischen Seite, der Schauspielerkomödie. Der Abend beginnt damit, dass der Darsteller des zur Kunstreligion konvertierten Theologiestudenten Spitta (Matthias Eberle) vor den Vorhang tritt und erklärt, warum er Theater mache. Was folgt, ist nur ein Zitat von Max Reinhardt: «Ich glaube an die Unsterblichkeit des Theaters.» Mit großer Geste erklärt er seinem Schauspiellehrer Hassenreuter (Manfred Böll) sein ästhetisches Programm: die Liste der Bochumer Intendanten seit Saladin Schmitt. Prompt rieselt der Kalk aus dem abbruchreifen Gemäuer. Den verheißungsvollen Satz «Das neue Theater muss …» beendet er nach drei Anläufen einfach mit einem ...
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Theater heute März 2011
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Gerhard Preusser
Blizzard-Maschinen blasen Stefan Hunstein auf die Bühne der Münchner Kammerspiele. Kaum lässt sich die Türe halten, mühselig schleppt er seinen schneeverkrusteten Rucksack auf die hölzernen Planken, die Johan Simons weit in den Zuschauerraum ragen lässt. Ein scheinbar schlafender Pianist am plastikverhüllten Kneipenklavier erwartet ihn. Sonst nichts. Der...
Wenn er dann Solveig trifft, die für den Rest des Stücks eine Weltreise lang auf ihn wartet, wird er gar zum Vergewaltiger. «Und höre nur, wie bös er war:/er peitschte, ach, sein Gretchen gar», möchte man mitfühlend murmeln, wenn der Frankfurter Peer Gynt über das arme Mädchen herfällt, ist im Moment aber noch gefangen vom Überwältigungstheater, mit dem der...
Wir behaupten jetzt einfach mal, dieser März sei nicht nur der Monat der Frauen, sondern auch des Rock’n’Roll. Beweise gefällig? Am Leipziger Centraltheater treten gleich zwei alte Haudegen an: Jürgen Kruse forscht mit «Looking for Easy Rider» nach der bedröhnten Gesellschaft, Michael Schweighöfer, gerade noch in Aki Kaurismäkis «Mann ohne Vergangenheit» auf der...
