Kostümiertes Frankreich
Die Ausgangslage war brillant: «Der Streit» von Marivaux, eine alte Kiste, aber so aktuell, als hätte sie Houellebecq selbst in den Arc de Triomphe gemeißelt. Eine Geschichte über Menschenexperimente, emotionale Klonversuche, Rückverwilderungsgeschichten, am Fließband reproduzierte Sündenfallszenarien. Pop, Politik, Science Fiction so weit man sehen kann.
Ein Stück, bei dem zumindest dem Dramaturgen Andreas Erdmann das Herz aufging als er das Programmheft gestaltete: In die unglaublichsten Zusammenhänge wird Marivaux da gesetzt, «Matrix», «Star Wars», «Sex and the City», «Madonna» und «MTV Dismissed» werden da herbeizitiert, gut so, richtig heiß ist man nach diesem Programmheft auf das Stück.
Und dann kommt’s: Kostümiertes Frankreich mit Cembalomusik zum Abwinken, als wär’s die Fortsetzung von Igor Bauersimas «Lucie de Beaune». Das geht so: Ein dunkles Land unter Wasser liegt da (Bühne Volker Hintermeier), ein Prinz und eine Hermiane waten mit einem Kerzenleuchter da durch und machen sich ihre Kleider nass, der Prinz verspricht seiner Angebeteten ein exquisites Experiment. 18 Jahre lang hat er ein paar junge Menschen voneinander und von der Welt isoliert aufwachsen lassen, und ...
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