Der gräbt, wo er steht

Über die Kraft des Dokumentarischen und das Tragische in den Filmen von Andres Veiel – ein Essay aus Anlass der DVD-Werkausgabe

Theater heute - Logo

Der Neue Deutsche Spielfilm feiert seit Jahrzehnten wieder Erfolge. Sie gehen unter anderem auf eine intensive Lobbyarbeit der Medien zurück. Das ist schön und gut. Aber es ist darüber ein bisschen in den Hintergrund getreten, dass die wirklich interessanten Entwicklungen seit Jahrzehnten im deutschen Dokumentarfilm vor sich gehen.

Aus­gehend von den Klassikern des deutschen direct cinema der 60er und 70er Jahre (den Filmen von Klaus Wildenhahn und Peter Nestler zum Beispiel, die für das Fernsehen gedreht und im anspruchsvollen Spätabendprogramm oder auf Festivals gezeigt wurden), haben junge Dokumentaristen wie Andres Veiel und Volker Koepp außerdem neuerdings etwas geschafft, was dem Dokumentarfilm in Deutschland vielleicht noch nie gelungen ist. Sie haben das Kino, wenn vielleicht nicht erobert, so doch mindestens betreten.

Ihr Marktanteil ist immer noch gering. Aber im Bekanntheitsgrad von Filmen wie «Herr Zwilling und Frau Zuckermann» oder «Black Box BRD» könnte sich etwas offenbaren, was man mit dem Stichwort «Überdruss am zweitklassig Fiktionalen» beschreiben könnte. Im literarischen Marktgeschehen kommt dieser Überdruss, wenn nicht alles täuscht, zwar in einem sehr ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2007
Rubrik: Medien, Seite 34
von Stephan Wackwitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Stillstand zuhause

Der Verrat der Ideale und der Verrat der Liebe haben eine Wurzel und eine Konsequenz. In Godards Moravia-Verfilmung «Le Mépris» quittiert Brigitte Bardot den doppelten Betrug ihres korrumpierten Mannes (Michel Piccoli) – an ihr und ihrem Körper und an seinem Beruf als Drehbuchautor – mit Verachtung und dem Ende der zum Warentausch herabgesetzten Beziehung. Am...

Alles schon drin

Es soll ja noch schlechter werden», lautet die permanente Drohung in diesem Stück. Für Elisabeth, die Haupt­figur in Horváths Sozialstück «Glaube Liebe Hoffnung», ist das aber noch lange kein Grund, aufzugeben. Die düs­tere Zukunftsprognose lässt, im Gegen­teil, die graue Gegenwart in einem helleren Licht erscheinen. «Ich lass den Kopf nicht hängen», sagt Elisabeth...

Durststrecke im Dauerregen

Zuallererst einmal hält sich Friedrich von Homburg an einer Bierflasche fest, lässt seine Lederjacke auf uns wirken und steigert sich in einen geliehe­nen Traum – visionäre Fließbandware von der Leinwand (Video Chris Kondek): Mal einen aus der Marlboro-Wer­bung gefallenen Reiter, mal ein rennendes Kleinkind, mal ein paar stumm­filmbeschleunigte Kollegen in...