Puppen sind nicht die besseren Menschen
Überall hin verfolgte einen dieser Dackel in Bochum. Zwischen der Maschinenhalle «Friedlicher Nachbar» und dem Museum, zwischen der Zeche 1 und den Kammerspielen, zwischen dem Bunker «Bastion» und dem Prinz Regent Theater: Der kleine braune Kurzhaardackel war schon da, reckte einem seinen Bauch entgegen und ließ sich sanft kraulen – ein idyllisches Bild. Ein trügerisches Bild.
Denn der selbstvergessene putzige Köter auf dem Plakat des 24.
Festivals «Figurentheater der Nationen» («Fidena»), der sich so sichtlich wohl fühlte in seinem Fell, warb hinterhältig für ein Programm, das mit kuscheliger Zufriedenheit so gar nichts zu tun haben wollte: Ganz gezielt «Unter die Haut», so das Motto, sollten die 23 Produktionen aus Europa und Südafrika gehen, die eine Woche lang in den weit übers Stadtgebiet verstreuten Spielstätten gezeigt wurden. Und so zog sich auch irgendwie ein banges Gefühl, eine latente Beunruhigung wie ein langer roter Faden zwischen den sehr dezentral gelegenen Festival-Orten durch halb Bochum: Auch die Puppenwelt ist unbewohnbar wie ein Abwasserkanal. Aber der Dackel verschlief den verzweifelten Aufstand dagegen und all das lächerliche Scheitern der Figuren, Objekte und ...
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Das Theater», so lautet das Credo von Kurt Hübner auch heute noch, «sollte versuchen, zur Qualität zu aktivieren, Maßstäbe zu setzen, die Mit-telmäßigkeit bloßzustellen und die
Lächerlichkeit ausgeleierter Denkklischees zu zeigen. Es sollte gegen sich selbst noch kritischer sein als gegen andere.»
Rechtzeitig zum 90. Geburtstag des Schauspielers, Regisseurs und...
Topfpflanzen. Ein Wald aus eingetopften, aber riesenhaften Büschen, zwei bis drei Meter hoch mindestens. Die Bühnenbildnerin Katrin Brack, die dem Ganzen im Theater immer mit einer einzigen Idee begegnet, hat für Luk Percevals Inszenierung von Arthur Millers «Tod eines Handlungsreisenden» das Dschungelmotiv mit dem der häuslichen Grünpflanze gekreuzt. Vorne Sofa...
Die Perücken sind billig und die Outfits schrill. Wichtigstes Bühnenrequistit ist ein gammeliger Dönerspieß aus Pappmaché. Ansonsten wird vorzugsweise vor einer scheußlichen Fototapete gespielt – eine Kulisse, die selbst Schlingensief-Bühnen wie Nachbauten aus dem Schöner-Wohnen-Katalog aussehen lässt. Auch die knalligen Spieler der aus dem prallen Kiezleben...
