Endstation Tagebau
Jener viel zitierte Sumpf am Gebirge hat im Lausitzer Flachland keinen Widerpart. Dafür blubbert der Schlamm unter den Füßen der Premierengäste, die – befördert in fünf Bussen und von Theaterleuten liebevoll umsorgt – mit Faust und Mephisto aufbrachen, die kleine und die große Welt zu erkunden.
«Theater des Jahres» wurde die Neue Bühne Senftenberg 2005. Nicht erst jetzt hat sie sich des Titels würdig erwiesen. Der Courage wegen, mit der sich dieses kleine Ensemble mit 16 Schauspielern einem Riesenprojekt stellt.
Vor allem aber, weil es – so klug konzipiert wie betörend verwirklicht – gelungen ist, die Aufbrüche und Niederlagen im Geflecht der Dichtung in den sozialen und historischen Verhältnissen des Landstrichs zu verwurzeln. Und eine ganze Stadt, samt Alt und Jung, samt ihren Kultur- und Wirtschaftsinstituten zu mobilisieren.
In der aufgelassenen Werkhalle an der Abbruchkante des Tagebaus Reppist endet weit nach Mitternacht der Parforceritt, der am frühen Abend im Stammhaus begann und auf fünf Schauplätzen die Geschicke der Faustfigur überraschend ins Gegenwärtige führt. Hier am ausgekohlten Tagebau – war’s ehedem der Grund der Hölle? – hatte auch einmal eine Vision begonnen, als ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Seinen «Parsifal» hat er ihn genannt: Thomas Manns Verhältnis zu seinem Roman «Doktor Faustus» war schon während des Schreibens hochemotional. Ein Erlösungswerk sollte es für den Künstler und dessen Leser sein, die Summe eines Lebenswerks, vielleicht gar ein letztes Wort, überpersönlich und zugleich sehr privat, ja intim. Die imaginierte Lebensgeschichte des...
Vor einigen Jahren saßen zwei bis dato dem breiteren Publikum weitgehend unbekannte Herren in einem Fernsehstudio des Regionalsenders RBB. Der eine, im entspannten Leck-Mich-Styling mit zerknittertem Hemd und sackförmiger Jeans, war gerade Intendant am Berliner Hebbeltheater geworden, Matthias Lilienthal. Dem anderen sah man die vor vielen Jahren abgebrochene...
Ein wenig ist das wie Wrestling, wie Schattenboxen da vorne auf der breiten Bühne des Velodroms; und dann kommen auch noch Ausdruckstanz-Verrenkungen dazu, wie man sie aus der Raumschiff-Orion-Disco kennt: So versucht Regisseurin Petra Wüllenweber in ihrer «Penthesilea»-Inszenierung am Regensburger Theater mit ein paar Schauspielern ein großes Schlachtengetümmel...
