Bond ist nicht Beckett

Edward Bond «Gerettet»

Theater heute - Logo

Ein brisantes Zeitstück mit 40 Jahren auf dem Buckel schafft es normalerweise nicht mehr auf die Spielpläne, schließlich schreiben aktuelle Zeitmenschen ja genug dieser aufrüttelnden Werke neu. Aber Edward Bonds «Gerettet» taucht doch ab und zu mal auf wie ein seltener Pilz. Das Skandalstück von 1965 um gelangweilte Halbstarke aus proletarischen Familienverhältnissen, die schließlich ein Baby steinigen, scheint als Projektionsfläche für zeitgenössische Verrohung mit jeder neuen Jugendmode illustrierbar.

Außerdem gilt Kindsmord als zeitlos scheußliches Verbrechen und bringt Maddie-mäßig die höchste öffentliche Erregungsstufe. Schließlich aber ist Bonds abgehackte Zermürbungsprosa von Menschen, für die Frust die Krankheit und Aggression ihre Kur ist, mit einigen kleinen Aktualisierungen tatsächlich eine Art Gewalt-Esperanto.

Diese Aktualisierung braucht das Abbild aggressiver Verhaltensmechanik, das Bond hier schroff skizziert, allerdings dringend, um in der Medienrealität aus Gewalt-Metaphern und echter Brutalität noch Gehör verlangen zu dürfen. Im Umfeld von Folter-Filmen wie «Hostel» und Schulhof-Terror, Ausländerhatz durch ostdeutsche Städte und Demütigungs-Fernsehen mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2008
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Till Briegleb

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nackte Liebeserklärungen

Fünf Darsteller in Alltagskleidern stehen auf einer absolut leeren Bühne, in eigenartigen, deutlich voneinander unterscheidbaren Gesten erstarrt. Einer hält den linken Arm ausgestreckt, als hielte er einen Hirtenstab, eine andere lagert ihm zu Füßen auf dem Boden, den Oberkörper seitlich aufgestützt, ein Dritter steht breitbeinig und mit leicht eingeknickten Knien,...

Metropolendämmerung

Im Vergleich zu den Nachbarstädten Mannheim und Heidelberg ist Ludwigshafen kulturelles Entwicklungsland. Man sollte im Prinzip also einverstanden sein, wenn der ortsansässige Chemiegigant kurz ins Portemonnaie greift und ein kleines Theaterfestival spendiert. Die «Festspiele Ludwigshafen», mit denen Hansgünther Heyme den ansonsten eher schmalen Gastspielbetrieb im...

Leserbrief

Ihr neues Layout, sehr geehrte Redaktion, verliert meiner Ansicht nach gegenüber dem bisherigen. Getreue Leser, besonders so langjährige Leser und Sammler wie ich (mit einem Abonnement von «Theater heute» seit den 60er Jahren) mögen keine Veränderungen einer Zeitschrift, die sie lieben – eben weil sie so ist, wie sie ist. Mein genauer Vergleich vorher/ nachher...