Freiwillige Selbstbeschränkung
Verstaubt? Abgenutzt? Klassisch, also wirkungslos? Mitnichten. Edward Albees Drama zum Geschlechterkrieg, 43 Jahre alt, präsentiert sich in Karin Henkels Düsseldorfer Inszenierung vital wie ein junger Hüpfer, urkomisch, bizarr, grausam, provokant. Gut zweieinhalb Stunden Kampftheater, Pointenschlacht, Nervenkrieg, Seelen-Casting. Ein weiteres Highlight im letzten Jahr der Intendanz Anna Badoras, nach Goschs «Macbeth», dabei von ganz anderer Art.
Die Bühne im Großen Haus von Henrike Engel: eine Plattform zwischen zwei Zuschauertribünen, bestückt mit ein paar locker im Raum verteilten Requisiten häuslichen Lebens wie Tisch, Herd, Kühlschrank, Spüle; eine Glühbirne baumelt darüber wie ein Pendel oder Punchingball, so dass beiläufig der Eindruck einer Sportarena entsteht.
Martha und George treten von verschiedenen Seiten auf, werden am Schluss auch auf verschiedenen Seiten abgehen. Ihren ersten Schlagabtausch sehen sie als Video: ein Ritual. Dann verschwindet die Leinwand, und ganz normales Theater beginnt. Spannendes Theater. Die 1970 geborene Karin Henkel demonstriert keine Spur von Abgeklärtheit oder Coolness gegenüber der gut abgehangenen Substanz des Ehedramas. Im Grunde ...
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