Endlich am Anschlag
Auf dem Titel des zahlenstärksten Theaterbuchs der Saison prangt schon seit Jahren eine weiße Statisitikkurve vor rotem Grund, die steil nach oben weist. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt man, dass die Fotovorlage um 45 Grad gedreht ist und die Kurve an ihrem obersten Punkt eigentlich gerade abfällt. Was die gerade veröffentlichte «Theaterstatistik 2012/13» des Deutschen Bühnenvereins angeht, könnte sich diese dezent getrickste Grafik unfreiwillig als prophetisch erweisen.
Auf den ersten Blick hat sich nicht viel getan bei den Kennzahlen des Theaterbetriebs in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie zählt 128 öffentliche Theater–unternehmen gegenüber 129 im Jahr davor – und auch diese Zahl ist schwer untertrieben angesichts zahlreicher darin nicht erfasster Privattheater wie der Berliner Schaubühne oder dem Berliner Ensemble, die ebenfalls überwiegend von öffentlichen Zuschüssen leben.
Die Veranstaltungen im Schauspiel sind ein bisschen weniger geworden (23.082 statt 23.301), das darin nicht enthaltene «theaternahe Rahmenprogramm» – Stichwort schwellensenkendes Vermittlungangebot zur Vor- und Nachbereitung – hat nochmal ein bisschen zugelegt (12.780 statt 12.041). Das ...
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Theater heute Oktober 2014
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille
Hat die Dame wirklich (schon) das Zeug zur Theaterfigur? Sicher, das, was man ihr nachsagt, ist wie aus dem Shakespeareschen Charakter-Fundus: «Die Raffinierte», «Königin der Macht», «Die heißkalte Frau», «Die Unterschätzte», gar eine «Lady Eisenherz» soll sie ja sein. Und doch sagen irgendwie alle «Mutti» zu ihr. Wie geht das zusammen? Und vor allem: Wie prickelnd...
«Nichts», tönt Nadine Geyersbachs Stimme aus einem Ding, irgendwo zwischen Sitzsack, Fruchtblase und riesigem Marshmallow. «Nichts … ist aussichtsloser zu schildern als Leere. Nichts schwerer zu veranschaulichen als Monotonie.» Eine Welterschaffung: Anne Sophie Domenz hat ihrer Inszenierung von Schillers «Maria Stuart» am Theater Bremen eine Textcollage...
Annie Sprinkle hat schöne Brüste. Große, schwere, weiche Brüste, die die 60-jährige Übermutter der künstlerischen Sexarbeit im Hamburger Kulturzentrum Kampnagel zu Strauss’ «Donauwalzer» tanzen ließ: niedlich, lustig, auch erotisch. Es war eine kluge Entscheidung, Sprinkles kurze Performance «Bossom Ballet» zur Eröffnung der Konferenz «Fantasies that matter –...
