Erfolg ist, wenn es trotzdem läuft
Nichts fühlt sich blöder an in einem Kritikerleben, als wenn man gegen den Erfolg anschreibt. Dort entsetzt zu tun, wo viele andere entzückt sind. Quengeln, wenn die Quote stimmt. Man ist dann auf verlorenem Posten. Was soll man denn sagen, wenn einer in den ersten vier Monaten seiner Intendanz 23.000 Zuschauer mehr hatte als sein Vorgänger? Die Leute werden sagen: «Was habt ihr denn, jetzt habt ihr uns jahrelang gepredigt, dass man ins Theater gehen soll, und jetzt gehen wir endlich gerne, und dann ist es auch wieder nicht recht.
Vielleicht braucht ihr einfach alle eine Therapie!» Und der Erfolgsintendant sagt: «Ich hab doch gleich gesagt, dass ideologisch ausgerichtetes Theater total zuschauer-, weil genussfeindlich ist, und dass der gepflegte Hedonismus hochleben soll. Und siehe da: Er lebt hoch, und ich hab die Zahlen auf meiner Seite. Was kämpft ihr auch so verbohrt gegen Windmühlen? Ich lehne mich lieber zurück, betrachte meinen Erfolg und habe mich sehr, sehr, sehr lieb.»
Matthias Hartmann, der gemeinte Erfolgsintendant, der Über-Achiever, der ab 2009 in Wien gewiss zu dieser erfolgsgepolsterten Burgherren-Nonchalance, zu diesem Mörtel-Lugner-Tum der Theaterlandschaft ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In den letzten beiden Jahren auf Teneriffa unterzog sich der mit Depressionen und Ehekrisen kämpfende Dichter Franz Xaver Kroetz nach jahrelanger TV-Abstinenz einem aufopferungsvollen Selbstversuch und hätte sich dabei mittels Fernbedienung und Satellitenempfang Dutzender deutscher Privatkanäle wohl beinahe den Goldenen Schuss gesetzt. «Tänzerinnen + Drücker»...
In Weißrussland gibt es seit kurzem ein Gesetz, dass jede «Diskreditierung des Staates» im In- und Ausland verbietet. Es drohen Gefängnisstrafen bis zu drei Jahren. Aber was ist wahr und was falsch in den Augen eines Regimes, das sich nach außen hin abschottet, offensichtlich Wahlen manipuliert und mittels erzwungener Sonderabgaben soeben den...
Bei «Margot und Hannelore» war es ein vertracktes Wechselspiel um verlorene Identitäten auf der wackligen Grundlage einer kaum bewältigten und moralisch schwer kontaminierten Historie; bei «Wir im Finale» wurde dann schon das letzte noch auffindbare Quäntchen Selbstbewusstsein durch kollektives «Tooor»-Gebrülle hochgepuscht, und auf der La-Ola-Welle schwappte eine...
