Cornelia Fiedler: Dringlichkeit? Gefällt mir.
Mit einem bunten Strauß an schlechten Nachrichten eröffnet Joachim Lux das Körber Studio Junge Regie. Der Theaternachwuchs nimmt ihn im Foyer des Thalia in der Gaußstraße angemessen ungemütlich im Stehen entgegen: Die Kultur werde «sturmreif geschossen», diagnostiziert Lux mit Blick auf die niederländischen Sparexzesse und das gerade druckfrische Pamphlet «Kulturinfarkt». In Politik und Gesellschaft sieht der Thalia-Intendant das «Verständnis für das nicht Populäre, nicht an der Kasse Erfolgreiche schwinden».
Den Regiestudierenden, angereist von elf Regieschulen im deutschsprachigen Raum und aus Amsterdam, um ihre Abschluss-Inszenierungen zu zeigen, prophezeit Lux: «Vor euch liegt eine Zukunft, in der ihr die neue Elite der Kunstproduktion sein könnt – und möglicherweise zugleich das neue Prekariat.» Sprach’s und wünschte viel Vergnügen. Mögen die Spiele beginnen.
Morituri te salutant? Weit gefehlt. Wer sich heute für einen künstlerischen Studiengang entscheidet, weiß um die unsichere Lage der Zunft – und hoffentlich auch, warum er oder sie das dennoch tut. Mit seinem dystopischen Vorstoß eröffnet Lux trotzdem ein zentrales Diskussionsfeld des Festivals und des Regiestudiums an ...
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Theater heute Juni 2012
Rubrik: Regieausbildung, Seite 22
von Cornelia Fiedler
Die Außenwelt scheint verloren, doch von innen fängt alles erst an. Der Einsame im Krankenbett liegt bei Gralf-Edzard Habben (Bühne) auf einem Steg aus sterilen weißen Kacheln in einem Meer aus schwarzen Ascheflocken. Dann öffnet sich das Fenster hinter dem Todgeweihten mit metaphysisch-dunklem Rauschen und lässt die schwarz gekleideten, bleichgeschminkten Ahnen...
Zunächst mal: Warm machen! Aus dem Orchestergraben tönen in unregelmäßigen Abständen die ersten Takte von Monteverdis «L’Orfeo» von 1607. Auf der Bühne häufelt ein glitter–geschminktes Girl im hautfarbenen Minikleid einen Kreis aus weißen Steinen auf, balanciert dabei auf schwindelerregenden Pumps, zumal, wenn sie sich ganz tief hinabbeugt und den Popo in Richtung...
Ein ungarisch-österreichisches Grenzschloss bei Rechnitz Mitte des vergangenen Jahrhunderts atmet einen gewissen Stil. Die rautenbespannten Wände, die Reitstiefel in der Garderobe verbreiten gediegene Jagdschloss-Atmo, gleich kommt der Herr Graf um die Ecke und bittet zur Fuchsjagd. Stattdessen schauen fünf grinsend befrackte Schlossgespenster herein, edel...
