Ein lauter, galliger Witz
Die Anforderungen sind durchaus abschreckend. Ein Master-Studienabschluss sei für eine diplomatische Karriere Pflicht, singt Anne Tismer. Außerdem perfekte Kenntnisse in Französisch und Englisch. Die Bereitschaft, alle drei Jahre umzuziehen. Und so weiter, puh. Tismer singt, Gotta Depri trommelt. Und dann grinst er: Den ganzen Text habe sie ja wohl fleißig auf Wikipedia zusammengeklaubt. Es ist gar nicht so einfach, mit der postkolonialen Position; wenn man da nicht absolut sorgfältig vorgeht, steht man schnell als Blender da.
«Der Botschafter» ist zunächst ein typisches Stück des gleichzeitig zwischen Europa und Westafrika wie zwischen Tanz, Musik und Theater wandelnden Regieduos Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen: Ein multiethnisches Ensemble versucht, mittels einer eklektizistischen Popkultur-Performance-Politik-Mischung soziale Gemengelagen der jüngeren westafrikanischen Geschichte zu durchleuchten. Im Gegensatz zu früheren Arbeiten wie «Mobuto choreografiert» (2013) und «Identitäten dehnen» (2014) folgt «Der Botschafter» allerdings einer recht klaren narrativen Struktur: Erzählt wird, wie der deutsche Diplomat Ritter während der 90er Jahre in verschiedenen ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Falk Schreiber
«Unmoralische Menschen werden blass unter der Peitsche der Satire», heißt eine Sentenz in einem antiken Text des römischen Dichters Persius. Auf einer Illustration des berühmten belgischen Symbolisten Fernand Khnopff räkelt sich dazu eine dunkelhaarige Nackte und entzieht sich dem lüsternen Zugriff zweier in das Bild ragender Hände. Auch der Regisseur Stef Lernous...
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Dostojewski ist einer der Autoren, an die man einmal geglaubt haben muss. Für empfängliche Seelen ist das eine beglückende Zeit, man identifiziert sich mit des Russen irrsinnsnahem Allmitgefühl: sein spezielles Gespür für die Spielsucht des Spielers, die Zerrüttung des Mörders, die Fallsucht des Idioten. Später schämt man sich dann etwas für die...
