Die spinnen, die Griechen
Gesinnungsapplaus gehört derzeit einfach dazu in München: Als Gora aus dem riesigen «Welcome»-Transparent über der Bühne des Residenztheaters mit einer Malerrolle ein «We come» zaubert, ist es so weit, demonstratives Klatschen im Zuschauerraum. Dabei geht es zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr darum, Überzeugungen zu transportieren, höchstens noch um Trotz, denn Medea und ihre resolute Wegbegleiterin Gora (Katrin Röver) haben schon verloren. Ihre Ausweisung im sanften Licht eines gigantischen EU-Sternenkranzes steht kurz bevor.
Die Symbolik, mit der Regisseurin Anne Lenk und Bühnenbildnerin Judith Oswald «Das goldene Vlies» von Franz Grillparzer anpacken, ist überdeutlich – das kann nerven, gerade in solchen seltsam bekennerischen Momenten. Unter der Oberfläche der opernhaft großen Bilder liegt aber eine kluge, lebendige Reflexion des Mythos, erzählt aus einer Gegenwart heraus, die die Vergangenheit nicht kennen will.
Unerträglich isoliert: Meike Drostes Medea
Medea und Familie kommen bei Lenk als Geflüchtete nach Korinth an den Hof des Kreon (Oliver Nägele). Dieser biografische Bruch lässt ihr ganzes bisheriges Leben, Wissen und Denken plötzlich seltsam unwichtig werden – außer ...
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Theater heute Februar 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Cornelia Fiedler
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Dieser Schluss ist tatsächlich das Überraschendste an der «Sturm»-Inszenierung von Armin Petras im...
Der große Liebesfinalkreis schließt sich pathetisch, als Achill tot ist. Da hält Penthesilea die blutverschmierte Leiche auf ihrem Schoß, Musik brandet auf, und ihr verbaler Selbstmord ist beschlossen. Mächtig aufgetürmt ergießt sich das tragische Gefühl von der steilen Bühnenrampe ins andächtig gebannte Publikum und von da in den Schlussapplaus. Die große Oper...
Die Globalisierung hat auch ihre lustfördernden Seiten: Sextourismus war noch nie so einfach wie heute. Rebekka Kricheldorfs «In der Fremde» versammelt ein paar besonders spektakuläre Exemplare westlicher Alltagssexisten, die in Thailand, Mexiko oder Jamaica ihre überlegene Wirtschaftskraft potenz- oder zumindest frequenzsteigernd einsetzen. Ihr überbordender...
