Lob der Heimat

nach Fallada «Bauern, Bonzen und Bomben» (Schauspielhaus)

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Natürlich könnte man jederzeit die Sinnfrage stellen: Wer braucht eine vierstündige
Dramatisierung von Falladas Wirtschaftskrisen-Panorama «Bauern, Bonzen und Bomben», wenn man in dieser Zeit schon 200 bis 300 Romanseiten lesen könnte? Wozu eine Bühnenbearbeitung dieses deutschen 30er Jahre Kleinstadt-Polit-Biotops, wenn sie doch nur ohne weitere Deu­tungs­­absicht den Hauptintrigensträngen folgt? Andererseits: Was soll man
mit dieser verwinkelten Hintertreppen-Saga aus der miefigen Provinz schon anderes anfangen, als den Stadtplan aus gegenseitigen Abhängigkeiten, Erpre

ssungen, Sozialneid und -not
nachzuzeichnen?

Aber wer kann schon einen ganzen Abend die Sinnfrage schwingen? Wenn Tom Kühnels unsentimental-genaue Szenenfolge vorbeizieht, stellt sich nach den ersten ein, zwei Stunden
ein zurückgelehntes Interesse ein, wie die kleinen Trickser und Betrüger, die Sozialdemokraten und die Zentrumsleute, die halbruinierten Bauern und verhassten Beamten, die Dorfhonoratioren und Kaufleute, die ausgemergelten Ehefrauen und ihre unzuverlässigen Ehemänner die nächste Runde ihrer kleineren und größeren Schweinereien überstehen. Wie sie sich gegenseitig absägen und leicht ramponiert wieder ...

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Theater heute April 2011
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Franz Wille

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