Talfahrt in den Tod
Nachrichten aus der Blackbox einer traurigen Jugend können mit sagenhafter Kraft nach draußen dringen: «It’s better to burn out / than to fade away.» Dieses Neil-Young-Zitat hatte Kurt Cobain bei seinem Freitod 1994 allen jugendlichen Melancholikern ins Herz geschrieben. «Besser verbrennen als verblassen.» Sie können aber auch etwas leiser wehen: «DAS HIER IST NICHT SCHÖN», schreiben die Teenager Fritz und Nina auf ein Blatt Papier, bevor sie sich gemeinsam in dem «Schwarzen See» ertränken, der Dea Lohers neuestem Stück den Titel gibt.
Vielleicht war das flammende Fanal des Verbrennens auch nicht angemessen. Weil das Verblassen schon so weit vorangeschritten war. Das Verblassen im trüben Licht der Eltern.
In dieses Haus der Blässe führt uns Lohers Stück: Vier Jahre nach dem Selbstmord der Kinder treffen sich die Eltern von Fritz, Cleo und Eddie mit denen von Nina, Johnny und Else. Reichlich blind für die Geschichte ihrer Kinder, entsinnen sie sich lieber ihres eigenen ersten Kennenlernens, tauschen kleine Eifersüchteleien aus und lassen dabei ihre Sätze gern artifiziell abreißen. Die Privatbrauer Eddie und Cleo zeigen sich von Finanzsorgen geplagt; Else und ihr Gatte Johnny, der ...
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Theater heute Juli 2013
Rubrik: Chronik: Hannover Schauspielhaus, Seite 65
von Christian Rakow
Mit dem Vater ging ich zum Flugtag auf der Vahrenwalder Heide, dem alten hannoverschen Flughafen. Vielleicht noch Ernst Udet, sicher aber die aus Hannover stammende Fliegerin Elly Beinhorn zeigten ihre Luft-Kunststücke. Mein Vater kaufte mir einen Luftballon samt einer dranzubindenden Karte, die er mit meiner Adresse versah. Denen, deren Karten am weitesten flogen...
Zwei Performer an einem Tisch. Sie machen uns nichts vor. Ihre Rolle auf der Bühne beschränkt sich auf die von Technikern: Sie befestigen an quer durch den Raum verlaufenden Schnüren Tafeln, auf denen in fotorealistischem Stil gehaltene Bildausschnitte zu sehen sind, die sich ganz allmählich zu einem Vorhang zusammenfügen, zu einem Mosaik aus Momentaufnahmen. Die...
Mit seinem neuen Stück, einem Auftragswerk des Chemnitzer Theaters, knüpft Wyrypajew an die Konstellationen aus «Illusionen» (siehe TH 12/2011) an. Wieder stehen zwei Ehepaare, diesmal erfolgreiche Mittdreißiger, im Fokus und reflektieren über Leben, Wahrheit und die Fragen von Spiritualität, Religion und Glauben. Wyrypajews Ausgangpunkt ist eine Verschiebung von...
