Zugelaufener Rollkoffer
Eine junge Frau begegnet einem Koffer: «Sein Griff, sein langer Griff, zieht meine Hand an. /Passgenau. / Ich geh weiter. / Einfach weiter. / Der Koffer rollt hinter mir her. / Leise und leicht.» Das Bild vom Koffer, der sich offenbar eine neue Herrin sucht, erschien mir sofort einleuchtend, vielleicht weil ich als Kind bei jedem scheinbar herrenlosen Hund hoffte, er würde sich mir anschließen, würde das kategorische Nein der Eltern zu Haustieren einfach durch seine bloße Anwesenheit und seine treuen Hundeaugen erschüttern.
Vielleicht aber auch, weil das rollfähige Gepäckstück im kabinentauglichen Format zum treusten Begleiter des globalen Einzelreisenden geworden ist, der seinem Besitzer emotionslos folgt, während der in standardisierten Hotelzimmern oder an der nächtlichen Bar davon träumt, auf den Hund zu kommen, um der Einsamkeit zu entfliehen.
Der Koffer also hat sich für ein neues Frauchen entschieden und bringt damit die Geschichte ins Rollen, eigentlich sollte man eher ins Gleiten sagen, denn sie verläuft nahezu lautlos: Die unvermeidliche Lärmspur, die Rollkoffer gewöhnlich überlaut in nächtlichen Straßen und auf Bahnsteigen hinterlassen, ist die Sache dieses Stückes ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 180
von Matthias Heid
Dennis Kelly rollt den Fall einer jungen Mutter auf, die überraschend ihre zwei kleinen Kinder verloren hat. War es Mord oder plötzlicher Kindstod? Diese Frage spaltet die Familie, die Wissenschaft, die Justiz und geht durch alle Medien. Kelly ist bei diesem Dokumentar-Stück ein Zuschauer, er sitzt im Publikum und mischt sich gelegentlich ein. Er fragt seine...
Dieser Mann muss sich mit der Kneifzange rasieren. Zu viele Hormone. Schnurrbart ist kein Wort für den borstigen Oberlippen-Propeller im zarten Gesicht des Jens Harzer. Jack Nicholson spielte einst in Roman Polanskis «Chinatown» den halben Film mit einem Nasenpflaster im Gesicht, und schon dieser Fremdkörper war eine Zumutung. So ähnlich müsste es doch Harzer mit...
Was für ein schöner Titel: «Theater des Jahres 2008». Dankeschön, liebe Kritiker! Wir werden dieses Prädikat feiern, und Bernd Wilms, der im Abgehen ausgezeichnete Intendant, wird zum Anstoßen auf seiner alten West-Ost-Route von Charlottenburg nach Mitte in die Schumannstraße geradelt kommen. Glückwünsche werden jederzeit gerne entgegengenommen, unsere Grafik...
