Kunst – der bessere Kapitalist?
Der absolute Nullpunkt der Modernen Kunst wurde erreicht im Theater. «Sieg über die Sonne» hieß treffend das Stück, in dem 1913 zum ersten Mal das Schwarze Quadrat von Kasimir Malewitsch zu sehen war – auf dem Bühnenvorhang und als Symbol auf Kostümen und Requisiten stand es für die Passage in eine neue Zeit. Doch trotz dieser innigen Verknüpfung während des Urknalls einer neuen Kulturepoche haben Darstellende und Bildende Kunst seither ein gestörtes Verhältnis. Denn unsterblich wurde das Schwarze Quadrat allein als Gemälde.
Von dem suprematistischen Totaltheaterstück sind dagegen nur Beschreibungen, Musikfragmente und Malewitschs Entwürfe übrig geblieben. Und an diesem Bedeutungsverhältnis zwischen Theater und Kunst scheint sich in knapp 100 Jahren kaum etwas geändert zu haben: Im öffentlichen Bewusstsein bleibt es eine unfaire Konkurrenz wie die zwischen Traum und Tatsache.
Vielleicht ist es gemein, in diesem Zusammenhang von einem Minderwertigkeitskomplex der Bühnenkünstler zu sprechen, aber wer ist Claus Peymann gegenüber Damien Hirst? Was das Theatertreffen gegen die documenta? Der Buchmarkt liefert zum Stichwort Theater rund 200.000 Bücher, zum Thema Kunst aber das Zehnfache. ...
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Theater heute August/September 2011
Rubrik: Theater und Bildende Kunst, Seite 6
von Till Briegleb
Ein Hauch von Melancholie lag über diesen Wiener Festwochen. Kurz vor Beginn des Festivals hatte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny die neuen Intendanten vorgestellt (siehe TH 6/11), und obwohl Markus Hinterhäuser und Shermin Langhoff erst 2014 für das Programm verantwortlich sein werden, war der aktuelle Jahrgang damit zum ersten Akt eines langen Abschieds...
Schade, dass es an diesem Premierenabend keine Liveschaltung in Frank Castorfs Gedanken gab. Zu gerne hätte man gewusst, ob der Intendant seinem ehemaligen Schauspieler Herbert Fritsch den Erfolg gönnt und seinem Haus endlich mal wieder ein enthusiastisch gestimmtes Publikum, ob er im Angesicht der Klamotte in ihrer reinsten Form erstarrte oder sich gar selber...
Die selbsternannten Freiheitskämpfer auf spanischen Plätzen oder am Stuttgarter Hauptbahnhof, nicht mehr zufriedenzustellen durch den Gang der Dinge unter den Bedingungen repräsentativer Demokratie, tragen dazu bei, dass Juli Zehs Revolten- und Aufruhr-Fantasie um das «Corpus Delicti» nicht mehr ganz so weit hergeholt wirkt wie bei der Uraufführung 2009. Vielleicht...
