Düsseldorf: Entschuldigung!
Manchmal bleibt der Blick im Theater an den Übertiteln hängen, folgt verträumt den Textzeilen und ignoriert die zeitgleich dargebotenen «feinen Nuancen der Schauspielkunst» völlig. Weil es tierisch nervt, als Schauspielerin durch die Textebene ausgebootet zu werden, entscheiden sich Natsumi Kamada und Nadja Duesterberg trotzig konsequent gegen das Spiel und für das reine «Skript»: In der Uraufführung «Shakagaike – der Buddha-Teich» am Düsseldorfer FFT werden die deutsch-japanischen Übertitel zu Hauptdarstellern.
Die Schauspielerinnen stellen sich in deren Dienst, lesen vom Laptop ab, rufen die Texteinblendungen via Knopfdruck auf und springen nur in eine Rolle, wenn die Übertitel es explizit fordern – dann aber mit sichtlichem Spaß an der Karikatur.
Dass Kamada und Duesterberg nicht dieselbe Sprache sprechen, also selbst auf Übertitel angewiesen sind, ist ein bestechendes Setting um zu reflektieren, was Kommunikation stillschweigend unterstellt: eine kongruente Vorstellung von Signifikant und Signifikat, vergleichbaren historischen und kulturellen Bezugspunkten, analoge Frames im Kopf – und was die Sprach- und Kognitionswissenschaft noch so im Repertoire hat. Charmant sind die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Cornelia Fiedler
«30 Jahre Mauerfall» oder «30 Jahre friedliche Revolution»? – Der November war ein Monat, in dem man Erinnerungspolitik wie unter einem Brennglas beobachten konnte. Die offiziellen Feierlichkeiten konzentrierten sich auf den 9.11., in vielen Theatern, vor allem im Osten, wurde auch an den 4.11. erinnert – den Jahrestag der größten Protestdemonstration in der DDR....
Ein älteres Ehepaar, unterwegs in Afrika, geht in der Sahelzone der liebsten Sportart deutscher Paare nach: Man streitet ausgiebig. Er ist freischaffender Wissenschaftler und erforscht schwarze Löcher, sie begleitet ihn, geht aber davon aus, sie würden Urlaub machen. In der Wüste begegnen sie einem mysteriösen einheimischen Paar, und plötzlich ist das Geld mitsamt...
Nein, keine besonderen Neuigkeiten. Wer sich durch das eindrucksvollste Zahlenwerk zum deutschen Theater, die gerade erschienene Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins 2017/2018 blättert, sieht auf den ersten Blick business as usual. Keine Abstürze, keine steilen Zuwächse. Der Motor brummt.
Auf den zweiten Blick brummt der Motor immer noch, allerdings...
