Wie geht Charme?
Lieber Otto, der Beweis Deines ewigen Daseins ist, dass Du jetzt da bist. Daher tut es mir umso mehr leid, dass ich wegen einer Magenlappalie bei Deiner Trauerfeier abwesend bleibe. Wie gern hätte ich allen Dich verehrenden und liebenden Menschen zugehört und Dir dabei zugeschaut in Deiner – Du wirst es womöglich noch als Geschenk erleben – großen Ruhe.
Ich glaube, die Toten leben lang, und einem Rationalisten würde ich erwidern, wir denken mehr an sie – die Toten –, als wenn sie noch lebten: So erscheinst Du jetzt mehr, als Du je erschienen bist.
Otto, das will was heißen!
Ich hatte das Glück, mit Dir vier Mal zu arbeiten, darunter eine Uraufführung und eine Zweitaufführung von Botho Strauß: «Kalldewey Farce» und «Schlußchor». Ich glaube, bei beiden Stücken hat der Dichter an Dich gedacht – und zu Recht.
Bei «Kalldewey Farce», der ersten Komödie des Zerfalls einer selbstgefälligen Gesellschaft der Siebzigerjahre, überlegtest Du Dir, wie Buster Keaton gewesen wäre, hätte er gesprochen.
Da konntest Du so wunderbar komisch das Opfer dreier Frauen spielen, das kurz vor Stückende noch in die Waschmaschine kommt.
Bei «Schlußchor», dem großen Stück zur Wiedervereinigung Deutschlands, ...
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Theater heute November 2013
Rubrik: Abschiede, Seite 42
von Luc Bondy
Neustarts, erste Runde:
Drei Regisseurs-Intendanten geben sich die Ehre. In Köln stürzt sich Stefan Bachmann in einen «Streik», in Stuttgart inszeniert Armin Petras Fritz Katers «5 morgen», und in Leipzig stellt sich Enrico Lübbe mit «Emilia Galotti» vor.
Zum Tod des großen Heiner-Müller-Exegeten und Schauspieler-Verehrers Dimiter Gotscheff: Nachrufe und...
Denn schnell und spurlos geht des Mimen Kunst» – den Klang der Stimme, die diese Worte sagte, habe ich noch im Ohr, es war wie eine Urteilsverkündung, jedoch ohne Revision – «dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze …». Und doch wandelte sich die apodiktische Haltung in eine Verheißung: «Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.»
Walter Schmidinger sprach...
Kleine Stilblütennachlese aus dem jüngsten Bundestagswahlkampf: «Wachstum braucht Weitblick.» «Die Mitte entlasten.» «Wir bringen neue Energie.» Das mittlere Elaborat stammt – falls jemand Schwierigkeiten mit der Parteiendifferenzierung haben sollte – von der FDP.
Hätten sich Rainer Brüderle und Philipp Rösler im Vorfeld mit der PR-Agentur «Mover und Shaker und...
