Wie geht Charme?

Luc Bondy erinnert sich

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Lieber Otto, der Beweis Deines ewigen Daseins ist, dass Du jetzt da bist. Daher tut es mir umso mehr leid, dass ich wegen einer Magenlappalie bei Deiner Trauerfeier abwesend bleibe. Wie gern hätte ich allen Dich verehrenden und liebenden Menschen zugehört und Dir dabei zugeschaut in Deiner – Du wirst es womöglich noch als Geschenk erleben – großen Ruhe.

Ich glaube, die Toten leben lang, und einem Rationalisten würde ich erwidern, wir denken mehr an sie – die Toten –, als wenn sie noch lebten: So erscheinst Du jetzt mehr, als Du je erschienen bist.

Otto, das will was heißen!

Ich hatte das Glück, mit Dir vier Mal zu arbeiten, darunter eine Uraufführung und eine Zweitaufführung von Botho Strauß: «Kalldewey Farce» und «Schlußchor». Ich glaube, bei beiden Stücken hat der Dichter an Dich gedacht – und zu Recht.

Bei «Kalldewey Farce», der ersten Komödie des Zerfalls einer selbstgefälligen Gesellschaft der Siebziger­jahre, überlegtest Du Dir, wie Buster Keaton gewesen wäre, hätte er gesprochen.

Da konntest Du so wunderbar ko­misch das Opfer dreier Frauen spie­len, das kurz vor Stückende noch in die Waschmaschine kommt.

Bei «Schlußchor», dem großen Stück zur Wiedervereinigung Deutschlands, ...

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Theater heute November 2013
Rubrik: Abschiede, Seite 42
von Luc Bondy

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