Festival: Kurz, brutal, politisch
Unter dem Publikum im Gorki-Theater gab es am Samstag viele Polen. Man hatte ein bisschen das Gefühl, als wäre man in einem Exilkabarett nach einem zukünftigen Staatsstreich in Warschau, der den ‹fortschrittlichen› Teil der Gesellschaft hinter die Oder verbannt hat», schrieb Witold Mrozek, Kritiker der überregionalen polnischen Tageszeitung «Gazeta Wyborcza», über seinen Theaterbesuch in Berlin im Herbst 2016.
Mit der von jeglichem Sentiment befreiten Theatersatire «Die zwei Monddiebe» hatte damals der polnischstämmige Regisseur Krzysztof Minkowski die transnationale Performance-Reihe «Mythen der Wirklichkeit» im Studio eröffnet und die nationalen Lieblingslegenden seiner Landsleute demontiert – vor allem die Verschwörungstheorien, die das regierungstreue rechte Spektrum seit 2010 um den Flugzeugabsturz von Smolensk befördert. «Wenn Künstler ihre Kunst auf eigene Kosten machen, ist das okay», kommentierte der polnische Botschafter Andrzej Przylebski das Berliner Projekt indigniert. «Aber wenn sie vom Staat gefördert werden, dann hat doch das Kulturministerium oder auch der regierende Bürgermeister von Berlin als Instanz eine gewisse Verantwortung, was da gezeigt wird.» Damit war ...
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Theater heute April 2019
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Anja Quickert
Die wenigsten Fernsehzuschauer könnten von sich sagen, sie seien Sonntagabend noch nie an einer «Tatort»-Folge hängen geblieben. Die wenigsten Schauspieler würden eine «Tatort»-Rolle ausschlagen. Muss ja nicht jeder den Kommissar spielen. Selbst als Leiche wird mancher berühmt. Oder wenigstens von «Bild» interviewt.
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