Die Thebaner sind unter uns
Alles stimmt, alles passt: der helle, hermetisch geschlossene Raum. Die leicht und sparsam gesetzten Klänge. Das gelbe Kleid der Iokaste. Die weißen Anzüge der Männer. Der schwarz gekleidete Chor – die Kleidung postmodern, mit ein paar historischen Zitaten, einer Schnalle hier, einem Brustpanzerteil da. Requisiten? Keine, doch, zwei Wasserflaschen. Davon später.
Ödipus ist jung, sehr jung. Unbekümmert und sehr verliebt. Er sitzt auf dem Schoß seiner fraulichen Königin, zärtlich von ihr umklammert, er liegt auf ihr und tut es – eindeutig gestöhnt und doch stilisiert.
Kreon guckt freundlich zu. Nur der Chor stört. Ein schwarzer Krähenschwarm, sie stürmen nach vorn, stehen wie eine Mauer, starr, fordern die Rettung. Laien, teilweise durchaus laienhaft in Bewegung und Blick, doch hoch konzentriert, und die Sprache stimmt, der Rhythmus, die Betonung. Bürger eben, Linzer Bürger, jetzt Thebaner. Sie singen auch, kurze Tonfolgen, wenn es gar keinen Ausdruck mehr gibt, keine Worte für Angst, Entsetzen. Sie sitzen rechts und links entlang der weißen Seitenwände, sehen zu und können nichts tun als ab und zu ihren Gefühlen Laut geben. Das helle Herrschertrio, die drei vom Königshaus sind weit ...
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Vom Basic Instinct, dem wölfischen Wesen, ist nur ein «Wauwau» geblieben – als Kosewort des einen für den anderen Ehepartner. Durch mancherlei Domestizierung gegangen, ist dieses Wauwau nicht einmal mehr die stubenreine Fassung eines Naturlautes, sondern der Refrain aus einem Chanson von Paolo Conte. «Wauwau» nennen sich nach dessen Schmachtgesang Annette und Alain...
Klar, dass hier nur das stehen kann, was die Geschichte der Theaterkritik einen Verriss nennt. Längst hat sich ja der Autor Rolf Hochhuth mit einer Form von Eigensinn, die ihresgleichen sucht, zielstrebig hinaus beschleunigt aus dem zeitgenössischen Diskurs; und letzthin dem Deutschen Nationaltheater in Weimar die Uraufführung des jüngsten Stückes sehr kurz vor der...
Dem Vorurteil nach war Arno Schmidt ein ähnlicher Eigenbrötler wie sein österreichischer Kollege Thomas Bernhard. Zurückgezogen auf dem platten niedersächsischen Land lebend, habe er mit niemandem sprechen wollen und keinerlei Störung beim Verfertigen seiner sperrigen Texte geduldet, heißt es stereotyp.
Doch so wie Bernhard seine – gar nicht einmal so seltenen –...
