Peer ohne Zwiebel
William Shakespeares entstehungsgeschichtlich umstrittenes und kaum gespieltes Stück «Perikles» gehört dem Genre der «Romanze» an und ist eine ziemlich wilde Räuberpistole. Das Drama beginnt mit einem König, der ganz offensichtlich ein inzestuöses Verhältnis mit seiner Tochter lebt; es spielt auf offenem Meer und im Puff; es gibt Verfolgungsjagden und
Piraten, Mörder und Scheintote – und zum Schluss natürlich ein vollkommen unrealistisches Happy End.
Held Perikles wird von besagtem König verfolgt, erleidet auf der Flucht Schiffbruch, wird gerettet und heiratet.
Seine Frau aber stirbt bei der Geburt der gemeinsamen Tochter auf hoher See, und Perikles wird erst viel später erfahren, dass sie am nächsten Tag an Land gespült und wieder zum Leben erweckt wurde. Die Tochter wiederum überlebt als 15-Jährige einen Mordanschlag – wird dafür aber von Seeräubern entführt und an ein Bordell verkauft. Dort bringt sie übrigens nicht nur das Kunststück zuwege, erfolgreich ihre Jungfräulichkeit zu verteidigen, sie bekehrt – zum Entsetzen der Geschäftsführung – auch die Freier zur Keuschheit.
Stefan Bachmann nimmt den kruden Stoff einerseits zum Anlass für einen verspielten Theater-Trip. Auf der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 53
von Wolfgang Kralicek
Leicht hat es das Hamburger Schauspielhaus schon eine ganze Weile nicht. Nach dem abrupten Ende der glücklosen fünfjährigen Intendanz Friedrich Schirmers im September 2010, begründet mit den Einsparungen, die Reinhard Stuth, der kürzest amtierende Kultursenator aller Zeiten, als Highlight seiner sechsmonatigen Amtszeit dem Schauspielhaus verordnete, gelang es den...
Was reizt so durchgängig an Ibsens «Nora», diesem ein wenig muffig-kleinstädtischem Emanzipationsdrama einer von ihrem Mann abhängigen Frau aus dem 19. Jahrhundert? In
Kay Voges’ radikal aktualisierter Dortmunder «Nora»-Inszenierung sind bürgerliche Liebeskonzepte unbrauchbar geworden. Es gilt das Gesetz des Warentauschs: Die Frau gibt dem Mann Gefühle und Sex, er...
Auch Kathrin Rögglas letztes Stück «Die Beteiligten» befasste sich mit einer ausgefallenen Jobsituation, der sie Verallgemeinerungsfähi-ges (zum Politikgeschäft) ablauschte: Simultandolmetscher. Für Kassel hat sie sich jetzt eine Gruppe von Menschen vorgenommen, die als NGOs, Entwicklungshelfer oder Corporate Internationals im Ausland gearbeitet haben, jetzt aber...
