Festival I: Weicheier und Widerstand

Das 11. Münchner Spielart-Festival balanciert auf den Barrikaden

Theater heute - Logo

Sie sind ein Bild unerschütterlicher Ruhe und Widerstandskraft: Die Kühe, die der japanische Theatermacher Akira Takayama auf schlammigen Weiden, 14 Kilometer vom Kernkraftwerk Fukushima entfernt, gefilmt hat. Dass sie noch leben, «verdanken» sie, wenn man so will, dem nuklearen Super-GAU im Jahr 2011. Ihr Fleisch ist als atomarer Sondermüll unverkäuflich, und versorgt werden sie vom Besitzer der über alle Grenzwerte verstrahlten «Farm der Hoffnung», der auf eigenes Risiko in die sonst menschenleere Sperrzone zurückgekehrt ist.

In Takayamas Videoinstallation «Happy Island» (so lässt sich «Fuku Shima» übersetzen) kann man sie nun im Münchner Muffatwerk zur Eröffnung des Spielart-Festivals sehen und sich von ihrer stoischen Renitenz, allen Katastrophen zum Trotz, anstecken lassen.

Kunst und Widerstand bzw. «Art in Resistance» ist auch ein Schwerpunkt der diesjährigen elften Ausgabe des Festivals, das alle zwei Jahre internationale Theaterproduktionen, immer auch mit Blick auf die gesellschaftspolitische Gesamtgemengelage, nach München bringt. Standen vor zwei Jahren unter dem Motto «Wake up!» noch Visionen des Aufbruchs in ein anderes Eu­ro­pa zur Debatte, so zieht der diesjährige ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Magazin, Seite 75
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Kuscheln trotz des Elefanten

Schon toll, so ein Leben als blonde und blauäugige Königin des Basars: Alexandra (Veronika Bachfischer), deutsche Frau eines Juden in Tel Aviv, schwärmt davon, wie die Händler sie dort hofiert haben. Dann aber ist das Leben in Israel plötzlich nicht mehr so toll: Alexandra wird schwanger und stellt fest, dass ihre Schwiegermutter (Hadas Kalderon) auf der...

E wie Euro Gorki

Die Bühne ist ein Dach. Es schaukelt ruhig vor sich hin, schwebt noch oben und nach unten, und manchmal neigt es sich auch gefährlich nach vorne. Dann verlieren die Figuren in ihren cremeweißen Rüschen- und Spitzenkleidern beinahe den Halt und klammern sich an den Stühlen oder der Chaiselongue fest, die Bühnenbilder Harald B. Thor auf das Bretterdach genagelt hat....

Überrrraschung!

Wer in Konversationsstücken unverhofft an fremden Wohnungstüren klingelt, trägt in seinem Psychoköfferchen nichts Gutes bei sich. Auch Roland Schimmelpfennig tut uns den Gefallen, von dieser dramatischen Reißbrettregel keinen Millimeter abzuweichen. In Schimmelpfennigs Weihnachtsgeschichte «Wintersonnenwende» kommt effektverstärkend hinzu, dass der Klingler sich...