Shakespeare-Glamour

Shakespeare «Antonius und Cleopatra» und «Was ihr wollt» in MAINZ/FRANKFURT Kleines Haus/Schauspielhaus

Theater heute - Logo

Am Tag vor der Premiere war bekannt geworden, dass Apple einer Forderung von Taylor Swift nachgegeben hatte. Es dauerte nur einige Stunden, bis die Pop-Diva den kalifornischen I-Giganten in die Knie gezwungen hatte. Eine solche Genugtuung erleben Staatsmänner, die die Apfel­firma zu regulieren suchen, auch nach Jahren der Mühe nicht. Die Verführungskraft und Übermacht des Glamour ist also zweifelsohne ein Thema, die Macht der Diven wahrscheinlich immer noch unterschätzt, trotz Kleopatra, trotz Liz Taylor und trotz William Shakespeare.

«How to become a diva?» Der Satz ist ein Leitmotiv in Claudia Bauers «Antonius und Cleopatra» am Staatstheater Mainz. Interessante Frage, auf die Bauer allerdings keine zwingende Antwort gibt. Sechs Schauspieler (drei w, drei m) kommen alltäglich herein, lesen im Textbuch starke Shakespearesätze, die an eine sagenhafte, weltentrückte Schönheit erinnern, und beginnen sich zu verwandeln. Das fängt damit an, dass Antonia Labs ihre schönen Beine lang macht. Leider tun es ihr die anderen nach, man reckt und streckt und ist, bevor etwas begonnen hat, in der Selbstparodie.

Claudia Bauer findet keine Mittel, die Diva und ihren Glamour aufzubauen. Dem Strecken ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Peter Michalzik

Weitere Beiträge
Hauptberuf Tochter

Barbara Marie Brecht-Schall, die Ende August dieses Jahres im Alter von 84 Jahren starb, war nach dem Tod ihrer Mutter Helene Weigel (1971) die bei wichtigen Entscheidungen maßgebliche, nach dem Tod von Stefan Brecht und Hanne Hiob alleinige Hüterin des Erbes ihres Vaters Bertolt Brecht. Sie galt als sehr schwierige, nicht genügend kompetente und in künstlerischen...

Party nach dem Tod

Am Anfang ist es so schlimm wie am Ende. Oder umgekehrt. Denn indem Anna Bergmann in ihrer Karlsruher Inszenierung von Tschechows «Drei Schwestern» zu Beginn des Abends erstmal den Schluss zeigt – Baron Tusenbach sinkt erschossen nieder –, will sie uns sagen, dass über die ganze nun folgende Geschichte das Urteil längst gefällt ist: Der Untergang ist...

Widerstand zwecklos

Es gibt wirklich großartige Momente. Zum Beispiel, wenn unverhofft in der Tiefe der Bühne ein auratisches Zimmer erscheint und dann in stiller Absurdität hinter dem Geschehen vorbeizieht. Oder wenn ausgerechnet der Universitätspro­fes­sor Manfred Hild vom Forschungslabor Neurorobotik der Beuth Hochschule für Technik Robbie Williams «I just wanna feel» covert. Oder...