Bochum: Rettung des Abendlandes
Krachend fällt der Zivilisationsmüll vom Himmel: Matratzen, Plastikstühle, Zimmerpalmen, Klamotten. Was man eben so gebraucht hat vor der Apokalypse, die eigentlich nur ein schlichter Terroranschlag ist, 117 Tote. Stattgefunden hat er im Sex-Urlaubsclub «Eldorado Aphrodite», in dessen Trümmern ehemals satte, amoralische weiße Mittelstandsmänner umherirren und sich fragen, was aus ihren Privilegien geworden ist: der Kulturbeamte Michel, der zynische Kollege Jean-Yves.
Wie ein Rest Trost leuchtet hinten noch die rote Glühbirnenwand mit lasziv geöffneten afrikanischen Riesenlippen – das Bühnenbild dieses bereits 2005 am NT Gent und nun in Bochum re-inszenierten Abends stammt noch vom 2015 verstorbenen Bert Neumann.
Das Sex-Versprechen ist das Letzte, was den Männern bleibt, wenn die einzige Möglichkeit zur Liebe aus den Trümmern geborgen wird. Michel, den Stefan Hunstein mit sympathisch schlotterigem Zynismus und Selbstmitleid spielt, trägt seine tote Geliebte auf einen Stuhl und haucht ihr mit einem Kuss Leben ein: So erzählt Johan Simons die Untergangsgeschichte der Menschheit aus dem Rückblick heraus. Ein Kunstgriff, der dem Abend sehr guttut. Denn Distanzierung muss her beim ...
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Theater heute April 2019
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Dorothea Marcus
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