Walk on the mild side
«Nix g’wies woas ma net», sagte die Dame hinter mir sehr gelassen beim Rausgehen und hatte damit das Wesentliche zusammengefasst. Dazu muss man sich allerdings in die Feinheiten der Münchner Grammatik begeben. Denn «nichts Genaues weiß man nicht» heißt eben trotz der doppelten Verneinung keineswegs, dass man was wüsste. Im Gegenteil: je doppelt verneinter, desto ungewisser in der Landessprache.
«Idomeneus», Roland Schimmelpfennigs Auftragsstück zur Wiedereröffnung des prächtig renovierten Rokoko-Saals von Cuvilliés in der Münchner Residenz, spielt mit den Unbestimmtheiten des Mythos. Dass der kretische König Idomeneus auf dem Rückweg von Troja in einen Sturm gerät, der seine Flotte verschlingt und ihn nur um den Preis eines Gelübdes überleben lässt, darf in allen Varianten als gesichert gelten: Er will als Dank fürs Überleben den ersten Menschen töten, der ihm am heimatlichen Strand begegnet. Aber trifft er dann tatsächlich auf seinen Sohn und schlitzt ihn auf? Hat ihn während der zehnjährigen Abwesenheit seine Gattin tatsächlich mit Nauplios betrogen, der Agamemnon und seinen Griechenfürsten den Mord seines Kindes nachträgt? Und endet Idomeneus wirklich ausgeweidet von seinen ...
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Klaus Michael Grüber galt jahrzehntelang als der Dunkel- und Schmerzensmann der deutschen Theaterregie. Das war – zumindest äußerlich – nicht immer so, wie dieses Foto von Ruth Walz zeigt, aufgenommen im Sommer 1973 auf dem Schiff nach Griechenland, wohin er das Ensemble der Schaubühne um Peter Stein auf einer Exkursion zur Vorbereitung des «Antikenprojekts» und...
Wie sie das tut, ist die noch größere Überraschung. Wo Hanna Schygulla immer weiter ins Ätherische driftet, wie ihr Auftritt in Fatih Akins letztjährigem Melodram «Auf der anderen Seite» anschaulich macht, steht Barbara Sukowa mit beiden Beinen auf dem Boden. Und lacht dabei. Groß geworden nach Fassbinder ist sie in Filmen von Magarethe von Trotta, «Die bleierne...
Tellheim schwankt. Schwer verletzt und pleite, hat sich der Major ordentlich einen angesoffen – und weiß nicht mehr, wie es weiter geht. Rechts oder links? Damen oder Herren? Unruhig flackert der glasige Blick zwischen den Toilettentüren, die Stefan Meyer links auf die Wirtshausebene seines verschachtelten Bühnenbildes für Lessings «Minna von Barnhelm» gebaut hat....
