Ein schwieriges Frauenzimmer
Corinna Harfouch hat bereits einige der sperrigsten Frauenfiguren gespielt, die die deutsche Geschichte hergibt: Eva Braun auf der Bühne, Magda Goebbels und Vera Brühne im Film. In Dagmar Knöpfels «Durch diese Nacht sehe ich keinen einzigen Stern» spielt sie nun zur Abwechslung eine tschechische Dichterin des 19.
Jahrhunderts, aber man erkennt sofort, warum Frau Harfouch für diese Rolle besetzt wurde: Diese Bozena Nemcova muss ebenfalls ein schwieriges Frauenzimmer gewesen sein; einerseits eine selbstbewusste und viel bewunderte Frau, andererseits eine an sich selbst zweifelnde, misshandelte Ehegattin in ständigen Finanznöten.
In ihrer Heimat ist Nemcova eine nationale Ikone: eine Art Brüder Grimm, Heinrich Heine und Günderode in einem. Sie ist im Alter von 46 Jahren in Einsamkeit und Armut gestorben und hat doch das wahrscheinlich bis heute dort meist gelesene Buch geschrieben mit dem anheimelnden Titel «Die Großmutter». Corinna Harfouch liest im Film in einer Szene daraus vor – man hört ein altmodisch-phrasenhaftes Vorwort über «geliebte Falten», und dem deutschen Zuschauer bleibt völlig verschlossen, was den Zauber dieses Buches ausmachen soll.
Das ist das Hauptproblem des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ulrich Matthes, der den Shylock in der «Kaufmann von Venedig»-Inszenierung des Deutschen Theaters spielt, hat, so mein Eindruck, sorgfältig überlegt, klug durchdacht und hart daran gearbeitet, wie man der heiklen und alle Kräfte und Künste herausfordernden Rolle des jüdischen Geldverleihers beikommt, den seine «christlichen» Konkurrenten, die venezianischen...
Ausgerechnet am Tag nach der Botho-Strauß-Premiere «Nach der Liebe beginnt ihre Geschichte» brachte der Zürcher «Tagesanzeiger», von seinen Lesern liebevoll «Tagi» genannt, auf seiner Savoir-vivre-Seite drei Beispiele für «Liebe und Arbeit in Personalunion». Vorgestellt wurden ein «Kunst-Paar», ein «Design-Paar» und ein «Gastro-Paar», jeweils seit 15, elf und acht...
Theater heute Das Stadttheater, heißt es immer wieder, gräbt der Freien Szene die besten Leute ab, stürzt sich auf verheißungsvolle Talente und innovative Ansätze. Wilfried Schulz, was haben Sie als Intendant des Staatsschauspiels Hannover in den letzten Jahren so aus der Freien Szene abgeschöpft?
Wilfried Schulz Ich glaube, der Übergang ist schon seit längerer...
