Man klatscht!
Als ich hier in Europa ankam, beeindruckte mich am meisten, dass es anscheinend überhaupt keine Zensur gibt. Später begriff ich dann, dass sie überhaupt nicht nötig ist. Über Subventionen Zensur auszuüben, Preise für Wohlverhalten statt Strafen für Aufmüpfigkeit, ist natürlich sehr viel eleganter. Aber etwas anderes finde ich schockierend, nämlich die Art, wie die Gesellschaft Stücke und Aufführungen vereinnahmt, die, so glaube ich zumindest, in Lateinamerika wie ein Erdbeben wirken würden. Ich denke da speziell an den «Mephisto» von Ariane Mnouchkine.
Bei der Brisanz des Themas hatte ich mit lautstarken Auseinandersetzungen, wenn nicht gar mit einem handfesten Skandal gerechnet. Und was geschah wirklich: Man klatschte. Mir kommen die Theaterzuschauer hier etwas blasiert vor. Man hat ja schon alles oder fast alles gesehen, zehnmal «Antigone», hundertmal «Hamlet». Was interessiert, ist nur noch, welchen genialen Einfall der progressive Regisseur diesmal hat.
Ich will keine Werturteile abgeben, keine ästhetischen Betrachtungen anstellen, aber mir scheint, dass der europäische Zuschauer sich bei all den exzellenten Aufführungen langweilt.
Ein bekannter französischer Schauspieler ...
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