Giulietta Masina des Ostens
Jetzt hat auch Carmen-Maja Antoni, die schon als Pionier des DDR-Kinderfernsehens ein Star war und heute nicht nur als Hotti Krauses Schwester Elsa das Fernsehpublikum, sondern als Brecht-Interpretin auch die Theaterzuschauer mitten ins Herz zu treffen versteht, ein Buch geschrieben: «Im Leben gibt es keine Proben», das sie der Journalistin Brigitte Biermann in die Feder diktiert hat, ein Buch, das wie «ungeschriebene Memoiren» erzählt ist, viele Anekdoten und Geschichten vom Leben, über das Theater, über Schauspielerei und Kollegen, denen sie Kränze windet; das sich sehr kurzweilig lie
st und ein ungeschöntes Bild ihrer Berliner Kinderjahre zeichnet. Nur eben jede kritische Auseinandersetzung mit dem Beruf, mit den Inszenierungen, die sie erwähnt oder in denen sie mitgewirkt hat, möglichst vermeidet.
Zum Beispiel umgeht sie, wenn sie von ihrer Arbeit an Brecht-Rollen oder dem Interpretieren seiner Lieder spricht, die entscheidende Auseinandersetzung mit Schauspielern, die immer auch «bewusst» gespielt haben, etwa mit Helene Weigel, Therese Giehse, Gisela May, Hilmar Thate; sie beharrt auf ihrem «ehrlichen», zupackenden, wirklich empfindenden Spiel. Sie bewundert die erwähnten ...
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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Magazin: Zeitgeschichte, Seite 68
von Klaus Völker
Nein, man muss Dinge nicht selbst erlebt haben, um darüber zu schreiben. Nach allem, was man weiß, hat Shakespeare nie im Wald gelebt, Goethe hat kein Kind getötet, und Brecht war kein Gangster. Wieso also überhaupt einen Gedanken an die Frage verschwenden, ob eine 18-Jährige, die ein – vor allem auch sprachlich – höchst bemerkenswertes Stück über Kindsmissbrauch...
Am Schluss steht Galilei mit geröteten Augen, geschlagen, apathisch. Für die große Selbstanklage, die Brecht dem Sternenforscher, der vor der Inquisition einknickte, in der letzten Fassung des «Leben des Galilei» beigelegt hat, reicht es nicht mehr. Stattdessen schöpft Galilei sein persönliches Bekenntnis aus jener Szene, in der er den kleinen Mönch zur Astronomie...
Gut möglich, dass Sven Lehmann der tiefentspannteste Mephisto war, den man bis dato im Theater sehen konnte. Wie er dem viel größer gewachsenen Faust des Ingo Hülsmann mit nachgerade zärtlicher Seher-Geste in regelmäßigen Abständen den Kopf auf die Schulter legte, während der sich in akademischer Streber-Manier schweißtreibend neben ihm abhampelte, wird keiner, der...
