In Linz müsste man sein ... in Linz.
Soeben hat sich der feine ältere Herr, der aus dem Kaukasus kommt und dessen türkischen Namen sich vorerst niemand merken kann, in Positur gestellt auf der Gartenbank im kleinen grünen Park des Sankt-Gertrauden-Krankenhauses in Berlin. Und auch die anderen nehmen fremde Haltungen an: Der alte Fritz zum Beispiel spielt – na klar! – den «Alten Fritz», und Carmen im Rollstuhl hat «Carmen» übernommen, was sonst.
Kurt-Peter, der sie durch diese kleine Theaterstunde und auch sonst durch die Krankenwelt schiebt, nimmt sich Peter den Großen vor, und auch die Ost-Ulknudel Helga Hahnemann ist besetzt. Ein einfaches Spiel: sich eine Persönlichkeit suchen, die völlig fremd ist, und zugleich vielleicht doch auch als kleiner Traum ein bisschen vertraut – die Patienten, die im Krankenhaus mit mehr oder minder schweren Defekten, stationär oder ambulant, in der Rehabilitation behandelt werden, genießen die Stunde sichtlich; womöglich nur als Abwechslung im Alltag zwischen Anwendungen und Mahlzeiten, Zeitung und Fernsehen. Vielleicht beginnen sie aber auch zu ahnen, wohin das führen kann: zu spielen – mit dem Bild von etwas oder jemand anderem; und also mit sich selber. Und ganz bestimmt mögen sie ...
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Theater heute Jahrbuch 2005
Rubrik: Die neue Klassengesellschaft?, Seite 22
von Michael Laages
Mein bester Thomas, ich sende dir Grüße. Hier gehen die Dinge ihren gewohnten Gang. Bombenterror herrscht, und das schon bald vier Jahre. Oder noch länger. Kommt darauf an, ab wann man zu zählen beginnt. Wahrscheinlich hat das gar nie aufgehört. Also auch nie angefangen. Keine Ahnung, was ich dagegen tun kann. Und deshalb bleibe ich zu Hause. Wir haben uns nett...
Die Geschichtenerzähler machen weiter, die Autoindustrie macht weiter, die Arbeiter machen weiter, die Regierungen machen weiter, die Rock’n’Roll-Sänger machen weiter, die Preise machen weiter, das Papier macht weiter‚ die Tiere und Bäume machen weiter, Tag und Nacht machen weiter, der Mond geht auf, die Sonne geht auf, die Augen gehen auf.» Fast dreißig Jahre ist...
Vor fünf Jahren ist der in der Tschechoslowakei geborene und in der Schweiz aufgewachsene Igor Bauersima über Nacht bekannt geworden. Er hatte ein kleines Zweipersonenstück geschrieben: «Norway.today». Seither ist es eines der erfolgreichsten deutschsprachigen Stücke und wird fast auf der ganzen Welt gespielt. Damals schon konnte man die eigene Art von Igor...
