Faszination und Abscheu

Alte Meister an der Volksbühne: Frank Castorf kapituliert vor Curzio Malapartes «Kaputt», Christoph Marthaler verbeugt sich mit «Tessa Blomstedt gibt nicht auf» vor Helene Fischer

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Ein zuschauerfreundliches Theater war Frank Castorfs Sache noch nie. Als sich seine Romanadaption von Curzio Malapartes «Kaputt» nach fünfeinhalb Stunden dem Ende zuneigt, hat das schöne deutsche Wort «Sitzfleisch» einen unangenehm konkreten, ja makabren Beigeschmack erhalten.

Auf ihm ist das Publikum Castorf und Malaparte zurück ins Europa des Zweiten Weltkriegs gefolgt, zu Pogromen und Prostitution, zu kolportierten Fällen von Kannibalismus unter Kriegsgefangenen und mehr noch zu Tischgesellschaften, in denen die Vernichtung der europäischen Juden Gegenstand anzüglicher Plaudereien und zynischen Schmunzelns ist.

Der grob gepixelte Screen, auf dem das zu neunzig Prozent vor den Zuschaueraugen verborgene Schauspiel zu verfolgen war, zeigt kurz vor Schluss nur noch grelle Farbflecken, und auch die teerschwarzen Objekte im knallgelben Kunstraum – zerbrochene Säulen, Steine, ein hauptsächlich von innen bespielter Container, ein goldenes Schaf (oder müder Wolf?) und irgendwann auch ein Panzer – gleichen eher einer geschmackselaborierten Skulpturenausstellung als einer Ruinenlandschaft (Bühne Bert Neumann). Da taucht plötzlich aus einer trüben Pfütze japsend Axel Wandtke auf, der gerade ...

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Theater heute Dezember 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Eva Behrendt

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