Zittau: Der Staub rieselt
Schon im Foyer des Theaters begrüßt die Besucher Musik aus der guten alten FDJ-Zeit und setzt damit eine erste Duftmarke, was an diesem Abend, 25 Jahre nach der friedlichen Revolution, verhandelt wird: deutsch-deutsche Zeitgeschichte. Das war dem Theater Görlitz-Zittau sogar einen Schreibauftrag wert: «Indianer». Oliver Bukowski, der 1993 mit «Londn – LÄ – Lübbenau» das Ost-Gefühl direkt nach der Wiedervereinigung auf den Punkt brachte, knüpft vage an das damalige Szenario an, um eine Bilanz zur deutschen Einheit nach 25 Jahren zu schreiben. Und siehe da, es ist nicht alles gut.
Die blühenden Landschaften sind vor allem durch die erzwungene Renaturierung der Brachen entstanden. Und zu alledem singt es: «Unsere Heimat, das sind nicht nur die Dörfer und Wälder ...» Ostalgietheater also?
Das wäre zu kurz gegriffen, auch wenn die Aufführungsorte Zittau und Görlitz viel weiter östlich nicht liegen könnten. Lediglich am Anfang wird eine kabarettistische Abrechnung vorgelegt mit West-Konquistadoren und Treuhand-Abbruch. Katja Schreier bändigt im Domina-Kostüm die unterwürfigen Ossis Stephan Bestier und Paula Schrötter, und die erwähnten blühenden Landschaften landen mit Kreide auf dem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2015
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Torben Ibs
Vielinszenierer im besten Alter packt ab und an die Sehnsucht, mal alles ganz anders zu machen. So hat Stephan Kimmig seit einiger Zeit den Tanz als Ausdrucksform für seine Schauspielinszenierungen entdeckt, und umgekehrt rückte nun der notorische Körperspieler und Slapstick-Liebhaber Andreas Kriegenburg die gebundene Sprache ins Zentrum seiner neuesten Arbeit an...
Bislang ist die Kulturtechnik des Surfens auf dem Theater definitiv zu wenig gewürdigt worden. Vor viertausend Jahren erfunden von Polynesiern, um 1769 auf Hawaii dokumentiert vom Frühkolonialisten James Cook und seit Anfang des 20. Jahrhunderts auch in Kalifornien und an der französischen Atlantikküste praktiziert, entstand in den 1960er Jahren an der...
Das Theater als Turm zu Babel, der aber nicht zusammenkracht, sondern stabil steht – dieses Bild trifft das Ruhrgebiet mit seiner Tradition als Einwanderungsland nicht schlecht und ein «Festival der Künste», wie die Ruhrtriennale sich im Untertitel nennt, ohnehin gut. Auch aus Heimweh kehrt Johan Simons aus München, wo er die Kammerspiele zum vielsprachigen...
