Menschen unter Menschen
Was keine Kunst ist, ist ja längst geklärt. Rolltreppe fahren ist keine Kunst. Wändegucken ist keine Kunst. In die Schirn gehen ist keine Kunst. So steht es, bunt auf Beton, seit 2003 groß im Frankfurter U-Bahn-Ausgang «Dom/Römer» an den Wänden, auf die guckt, wer die Rolltreppe hochfährt, um in die Schirn zu gehen. (Oder in den Frankfurter Kunstverein, ins MMK, ins Fotografie-Forum, ins Haus des Buches, ins Haus am Dom, in ein gutes Dutzend anderer Kulturhäuser am Museumsufer – kein anderer deutscher U-Bahn-Ausgang dürfte so schnurstracks in so viel Kunst münden wie dieser.
)
Ob die Werbeagentur Saatchi & Saatchi damals auf mehr als eine billige Pointe zur einfachen Erreichbarkeit der Schirn-Kunsthalle aus und dafür im Zweifelsfall auch bereit war, Lawrence Weiner & Co. über die Plattitüdenklinge springen zu lassen, ist längst unerheblich. Denn die U-Bahn-Treppe ist zu einer Galerie geworden, einem Ort der Irritation, Reflektion, ja Resistenz – durch die Passanten, die hier seit Jahr und Tag ins Grübeln kommen, die die banalen Negierungen in Frage stellen oder sich gar gegen sie zu wehren beginnen. Warum ist gerade Rolltreppe fahren, Runtergehen, Hochschauen, Schwitzen keine ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 76
von Matthias Pees
Die Welt, wie wir sie kennen, wird eines Tages zugrunde gehen. Wir verdrängen das dauernd, sonst könnten wir keinen Tag überstehen. Aber wahrscheinlich faszinieren und verstören uns deshalb apokalyptische Szenarien so sehr: Endzeitparabeln tauchen in Theater, Literatur und Film in den letzten Krisenjahren häufiger auf, apokalyptische Reiter in unruhiger Zeit. Sie...
Als ich auf die Welt kam, lag die Welt in Asche. Ich wurde 1946 geboren. Ein halber Kontinent war zerbombt, und Millionen Menschen waren hingerichtet oder zwischen den Fronten getötet worden. Die deutschen Nationalsozialisten hatten gerade noch in ihren grenzenlosen Allmachtsfantasien gestoppt werden können. Mein Land, die Niederlande, war dank der Alliierten...
Szene acht
Am nächsten Tag.
Derselbe Raum.
Bashir und Nick. An den Tischen. Nick erklärt. Bashir hört zu und reagiert. Computer
aufgeklappt vor ihm.
Nick Das Wichtigste am Geld ist, dass die Menschen es nicht gern verlieren, Bashir. Die Menschen, die Firmen, die Regierungen.
Also suchen sie immer nach einem sicheren Ort dafür. Siebzig Jahre lang war der sicherste...
