Volk von Spaßvögeln

Zürich: Müller & Müller «Truppenbesuch», Schiller «Wilhelm Tell»

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Unbewaffnet rückt kein Eidgenosse aufs patriotische Feld aus. Wilhelm Tell trägt seit Jahr und Tag Armbrust. Auch der Schauspieler Mike Müller wappnet sich für seinen «Truppenbesuch». «Müller inspiziert die Schweizer Armee», verspricht sein Soloabend im Zürcher Neumarkt im Untertitel.

Es hat etwas Zivilritterliches, wie sich Mike Müller das Thema erobert. Der spitze Stift am Ende eines ausgestreckten Arms ist seine Lanze, der Kugelbauch wölbt sich wie ein Harnisch, so stürmt er die Bühne. Ein Schelm, gewiss, doch entschieden nüchterner im Ansatz als Don Quichotte.

Dutzende Interviews haben Mike und sein Bruder, der Journalist und Dramaturg Tobi Müller, geführt. Sie wollten erfahren, wie es der Milizarmee, die zu ihren besten Zeiten zuverlässig mit der Wirtschaftselite des Landes verfilzt war, heute geht.
Danke gut, darf man sagen. Die Feindseligkeiten von 1989, als die einen Schweizer die Armee abschaffen wollten und die anderen Schweizer sich in ihre Verteidigung verbissen, sie sind vergessen. Die Schweiz und ihre Armee unterhalten ein deutlich entspannteres Verhältnis.

Ein Gang in den Hades ist dieser «Truppenbesuch» folglich nicht geworden. Mike Müller pendelt den Abend zwischen ...

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Theater heute Juni 2013
Rubrik: Chronik, Seite 62
von Stephan Reuter

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