Donnerflittchen
Das ist die Berliner Luft, Luft, Luft.» Das also. Nicht herausgeschmettert, nicht auf dem ollen Gassenhauer geritten wie auf einem alternden Derby-Hengst, sondern von Spielmannsuhrmusik angeklingelt, quetschen sich die grellen Mondreisenden aus Berlin eng aneinander zum Mondschein-Chor und hecheln gemeinsam die berühmten Verse, erst noch mühsam nach Atem ringend, dann leise wie Besucher einer Nachtbar, die gerade an einer Shisha-Pfeife ziehen. Berliner Luft verpufft.
Ein behaglicher Singe-Abend für «Spree-Athener» ist es nicht, was Herbert Fritsch der Volksbühne zum Saisonabschluss anrichtet.
Man ist vom Extrem-Komödianten Fritsch gewohnt, dass er erhabene Bühnenklassiker
à la «Nora» oder «Biberpelz» zum kunterbunten Boulevardballon aufbläst – wobei dieser Ballon selbstredend nicht nur mit Guter-Helium-Laune, sondern auch mit reichlich Boshaftigkeit und Hintersinn gefüllt sein kann; der Knall tut’s kund. Wenn Fritsch nun aber hier, wie zuletzt häufiger, einen krachkomischen Boulevard-Klassiker am Wickel hat, so packt er eben auch mal die Vakuum-Pumpe aus. Aus gutem Grund.
Verdrängungsgeschichte im luftleeren Raum
Paul Linckes burleske Mondfahrer-Operette «Frau Luna» (mit einem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August/September 2013
Rubrik: Aufführungen, Seite 30
von Christian Rakow
1998 mutete der Bühnenberserker Einar Schleef seinen Zuschauern bei der Uraufführung von Elfriede Jelineks bissiger Farce «Ein Sportstück» über sechs Stunden Spielzeit zu – eine Burgtheaterinszenierung, die mit über 80 Dauertrimmern und sportgeilen Testosteronbomben auf der Bühne legendär wurde. Geradezu harmlos wirkt dagegen, was derzeit am Staatstheater...
«Ion», Euripides’ Stück um Erkennen und Erkenntnis, wird auf deutschen Bühnen nur selten gegeben. Armin Petras versucht sich dennoch an dem Stoff, verzichtet aber weitgehend auf Euripides und reduziert das Stück auf seine Hülle, um aus der Tragödie ein urkomisches Spektakel zu machen. In aller Kürze: Ion (Manolo Bertling) ist das Ergebnis einer Affäre zwischen...
So viel Ende war selten. Der Untergang, der 1914 über Europa kam, inspiriert hundert Jahre später aktive und theoretisierende Kunstschaffende wie schon lange nichts mehr. Und deren Auseinandersetzung mit dem Morden im ersten großen Krieg, dem Zerfall, der Neuordnung und vor allem mit den Grundlagen, die gelegt wurden für die zweite größere Katastrophe des 20....
