Mannheim: Burn-out im Wasser

Nationaltheater (Studio): Akin E. Sipal «Kalami Beach» (U)

Theater heute - Logo

Ein Mann trifft eine Frau. Trifft? Naja. Fischt sie aus dem Meer nach ihrem Suizidversuch oder «Burn-out im Wasser», wie sie es nennt. Er ist Deutscher, sie Türkin, beide urlauben im Mai am Kalami Beach auf Korfu. Und sie verlieben sich, natür­lich, vor roten Felsen und wogenden Wellen. Doch dann ist sie, die sich unfruchtbar wähnte, plötzlich schwanger. Erzählt dies, flirrend, mit geweiteten Augen: Ein Wunder ist geschehen! Er aber stoffelt nur ratlos herum um dieses Wunder, blass, blond, helläugig, leicht hypochondrisch und wortreich in sich vergraben, wie die Deutschen eben so sind.

Vieles kommt einem sehr bekannt vor im neuen Stück des 25-jährigen Autors Akin E. Sipal, «Kalami Beach», das am Nationaltheater Mannheim uraufgeführt wurde: der Urlaubsflirt, die Leichtigkeit des Anfangs, die ungleichen Liebenden, die vom plötzlich hereinbrechenden Ernst der Lage auf sich selbst zurückgeworfen werden. Wenn Erzählungen, wenn Kunst uns das Universum ein bisschen weiter aufschließen soll, uns Unbekanntes öffnen oder zumindest unbekannte Perspektiven, so wird an diesem Abend allenfalls geremixt und gesampelt. Zuletzt wurde 2015 ebenfalls in Mannheim Sipals «Santa Monica» uraufgeführt, ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2016
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Esther Boldt

Weitere Beiträge
In Schönheit erspielt

In Köln dreht das Theater die kulturelle Geometrie der Stadt jetzt um. Das Zentrum ist weit draußen, der Rand ist in der Mitte.

Zum Zentrum wird das immer mehr sich verfestigende Provisorium des «Depots» im Vorort Mülheim. Bis 2019 wird das Schauspiel dort mindestens noch bleiben müssen. Als «Außenspielstätte» aber hat Intendant Stefan Bachmann sich zumindest für...

Time to say Good-bye

Seit anderthalb Jahren tobt er nun schon, der Kulturkrieg in Berlin: Seit Tim Renner, denkbar ungeschickt kommunizierend, im April 2015 den Tate-Direktor Chris Dercon zum Nachfolger Frank Castorfs designierte, teilt sich Berlins Theaterszene in unversöhnliche Pro- oder Contra-Fraktionen. Dass Frank Castorf nach einem Vierteljahrhundert den Hut nehmen soll, um nur...

Absolutes Vertrauen

Schlimme Nachrichten kommen, wenn sie kommen, vollkommen unabhängig davon, ob der Empfänger für sie bereit ist – zum Beispiel direkt nach einem unendlich langen Flug in Fuhlsbüttel, mitten in der Menschenmenge, als ich meine Maschinchen wieder an den Strom der Welt anschloss und mich danach traurig in eine Ecke verkroch. Zwar wussten wir alle seit langem um die...