Ab heute wird zurückgehasst
Eigentlich wollte er ja nur mal eine Weile rumhängen, gar nichts machen, dieses vermutliche Alter Ego von Falk Richter, das da auf dem Laufsteg in der Schaubühne kauert. Rumhängen in der neuen Wohnung, Serien gucken, im Internet surfen. Und dann sind sie über ihn hergefallen, die «True Detectives» mit ihrer schwarzen, schwarzen Weltsicht, die er so gruselig wiederfand in den Internet-Foren und -Kommentarspalten zum Flüchtlingszustrom, Pamphleten voller Fremdenhass, Homophobie und Panik vor dem Totalverlust – an Werten und Identität und allem, was als verlässlich galt.
Da sind sie plötzlich wieder, die urdeutschen Angst-Zombies mit ihren seit 70 Jahren totgeglaubten Argumenten, sie dröhnen und bringen seinen Kopf durcheinander, bis die Angst ihn selbst ergreift und nur noch eins bleibt: Ab heute wird zurückgehasst.
Der coole Chiller (Bernardo Arias Porras) ist längst vom Steg gesprungen und rast panisch auf und ab: Der Hass färbt ab, er wird diesen Falk-Richter-Abend grundieren, der sich gegen die hässlichen hassenden Frauen und Männer richtet, die von Storchs und Petrys, Kelles und Kubys, Breiviks und Sarrazins, Lutz Bachmanns und Akif Pirinccis, deren Köpfe auf Pappkameraden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Barbara Burckhardt
jasmin
püppi
casper
bertram
vati
mutti
peter
bürger
leviathan
anderer leviathan
behemoth
mensch auf der flucht/flüchtling
mensch der anders ist
johanna
asasel
I
love 1
bertram irgendwo da rennt die temporalis-ader, wenn die getroffen wird, das ist auch ein klassischer abfuhrgrund.
hier, das ist die schutzausrüstung: paukhandschuh halsschutz blutleder...
Die Bühne ist ein Dach. Es schaukelt ruhig vor sich hin, schwebt noch oben und nach unten, und manchmal neigt es sich auch gefährlich nach vorne. Dann verlieren die Figuren in ihren cremeweißen Rüschen- und Spitzenkleidern beinahe den Halt und klammern sich an den Stühlen oder der Chaiselongue fest, die Bühnenbilder Harald B. Thor auf das Bretterdach genagelt hat....
Sie sind ein Bild unerschütterlicher Ruhe und Widerstandskraft: Die Kühe, die der japanische Theatermacher Akira Takayama auf schlammigen Weiden, 14 Kilometer vom Kernkraftwerk Fukushima entfernt, gefilmt hat. Dass sie noch leben, «verdanken» sie, wenn man so will, dem nuklearen Super-GAU im Jahr 2011. Ihr Fleisch ist als atomarer Sondermüll unverkäuflich, und...
