It’s a Boy’s World
Die griechischen Zuschauer schienen durchaus begeistert, als ein stämmiger weißer Othello mit Fastglatze (Sebastian Nakajew) diesen Sommer in ihrem monumentalen Amphitheater von Epidauros den Golfschläger schwang. Peloponnesische Insider jedenfalls bezeichneten den Applaus, der dem Regisseur Thomas Ostermeier von den antiken Marmorrängen entgegen schlug, als überdurchschnittlich.
Offenbar goutierte man dessen Entscheidung, beim traditionellen «Hellenic Festival» keinen alten Griechen, sondern einen vergleichsweise jungen Engländer in die Spur zu schicken und dann auch noch mit zusätzlichen Anti-Aging-Mitteln wie Golfbällen, Hausbars oder Telefonen aufzufrischen, sehr.
Und wenn man aus der 17. Reihe dieser zehntausend Zuschauer fassenden archäologischen Weihestätte auf Jan Pappelbaums Bühne heruntersah, wo Othello Desdemona (Eva Meckbach) vorm finalen Mord nicht ohne einen Schuss unfreiwilliger Komik durch ein kunstblutrot angestrahltes Wasserbecken jagte, wo das Design-Ehebett perfekt auf die Sitzgruppe für die Schauspieler abgestimmt war und abwechslungsreiche Videoprojektionen über einen dezent im Hintergrund angebrachten Vorhang flimmerten, verstand man sofort, warum das ...
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