Gera Bühnen der Stadt
«Das Problem ist doch nicht der Eisberg. Das Problem ist, dass wir eben nicht auf einem unsinkbaren Schiff gewesen sind. Der Eisberg zeigt doch nur die Realität! Das Hindernis lässt die Geschwindigkeit endlich erkennen.» Amina Gusner dockt ihre «Titanic»-Version von Beginn an in der Gegenwart an. Die Bilder und Geschichten des Jahrhundertmythos setzt sie als bekannt voraus, um eine Geschichte zu erzählen, die viel mehr mit dem Jahr 2012 zu tun hat als mit dem Anfang des letzten Jahrhunderts.
So kann die Geraer «Titanic» zu einem Kreuzer unter griechischer Flagge mit einem Gigolo-Kapitän werden, der auf seinem High-Tech-Schiff irgendwann die Furcht vor dem Meer verloren hat. Manuel Kressin als verjüngter Kapitän Smith in ahistorischer blauer Uniform will lange schlicht nicht glauben, dass sein Schiff sinken kann, welches er eben erst zu Gunsten steigender Aktienkurse gemeinsam mit Bruno Beeke als gestriegeltem, glatzköpfigen Präsidenten Ismay auf Höchstgeschwindigkeit getrimmt hat. «Was verstehen Sie denn davon? Sie sind einfache Seeleute, und hier geht es um Politik!» Irgendwer wird uns retten, mit über zweitausend Passagieren an Bord sind wir systemrelevant genug, um zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2012
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Alexander Kohlmann
Er ist in der Stadt. Und zwar anonym. Der Revisor, ein Wirtschaftsprüfer. In Gogols Stück glauben ihn Dobtschinski und Bobtschinski identifiziert zu haben. Gleich zu Beginn. Und so führen sie die Dorfgemeinschaft auf eine falsche Fährte. Allein der Zuschauer ahnt den Irrtum und findet Gründe genug zum Amüsement.
Malte Kreutzfeldt hat Gogols Komödie in Kiel auf die...
Oh, schau mal, wie süß», geht ein Raunen durchs Publikum. Die Lichtinseln der Kamera-Displays beginnen hellblau zu leuchten. Auf die Bühne tapsen drei siebenjährige Haselmäuse und lauschen unterm Papp-Haselnussbaum einigermaßen orientierungslos den vorproduzierten Märchen-Erzählstimmen aus dem Off. Total süß, wie sie das mit dem Tanz noch nicht so richtig auf die...
Es war einmal, und es war nicht immer nur schön. Auf jeden Fall aber konnte der Nachwuchs sich damals noch selbstbestimmt den Arm brechen, und die Eltern fielen erst Wochen später in Ohnmacht, wenn der Kleine sich verplappert hatte: Okay, okay, der hat sich doch tatsächlich mit seinen Freunden in diesen Höhlen oben im Berg rumgetrieben, tagelang und obwohl die doch...
