Gesellschaftskunde: Die Macht des Theaters
Natürlich ist das RTL-Fernsehformat «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» (kurz: «Dschungelcamp»), heuer von durchschnittlich sieben Millionen Zuschauern gesehen, eine klassische Typenkomödie. Es geht um allgemeinmenschliche Eigenschaften, die sich im australischen Dschungel, obwohl hinter jeder Palme eine Kamera lauert, möglichst unverstellt zeigen und kräftig aufeinander prallen sollen.
Gecasted werden dafür Y-Promis nach ihrem Unterhaltungswert: das zickige Model, die vollbusige Körbchen-G-Schlange, der dumme Schönling, der kraftstrotzende Cis-Mann, der arrogante Opi, der ewige Verlierer. So weit, so berechenbar. Aber dann passiert das Wunderbare: Das Camp verwandelt sich auf magische Weise in eine jener bissigen Komödien-Überschreibungen, mit denen Elfriede Jelinek im Theater so erfolgreich ist. Sichtbar werden nicht nur die plumpe Mechanik einer Typenkomödie, sondern subtile gesellschaftliche Zusammenhänge. Jeder Versprecher ein Abgrund. Gigantische Egos legen sich selber lahm. Die Sprache und die Körper laufen Amok. Was für ein kluges Vergnügen!
King Lear Gunter Gabriel
Unter der gnadenlosen Camp-Lupe entwickeln Kleinigkeiten das Potenzial zu wahrhaft Shakespearescher ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Karin Cerny
Was Heiner Müllers «Horatier» gerade heute zum Terrorismus zu sagen hat
Der namenlose Kämpfer stößt dem verwundeten Gegner, der am Boden liegt und «mit schwindender Stimme» um Schonung bittet, «sein Schwert in den Hals, daß das Blut auf die Erde» fällt, er wirft sich das blutige Schlachtkleid des Getöteten über die Schulter, steckt sich dessen Waffe in den Gürtel...
In Jean Baudrillards Denken, vor allem seinem späten, rechten Ideologien zuneigendem, gibt es eine starke Verkettung von Langeweile und Hass. Sein ständiger Abgesang auf die geistlose Leere der modernen Gesellschaft, auf die verderbliche westliche Werte-Suggestion durch Warenanreize und das mediale Ereignis-Voodoo, zeugte recht offen von seiner Sehnsucht nach dem...
Nicht nur Fliegen wäre schöner, sondern auch schon ein Sonntagsausflug, bei dem nicht nachträglich die Biergartenzeche bis auf den Pfennig nachgerechnet würde. Dabei hat Otto «Mensch» Meier seine Träume ohnehin schon auf Miniaturformat geschrumpft, wenn er nachts im Hobbykeller an seinen Modellflugzeugen bastelt. Tagsüber ist er für 14 Schrauben am neuen BMW-Modell...
