Staffellauf auf Mooslandschaft
Ein Wesen von zarterer, frommerer und lieberer Art müsst ihr euch nicht denken, und kämt ihr auf Flügeln der Einbildung, zu den lieben kleinen Engeln» – gemeint ist hier in naturgemäß realitätsferner väterlicher Wahrnehmung die eigene Tochter, das Käthchen, eine kleine, mollige Göre, die grimassierend des Vaters Ausführungen kommentiert.
Vater Theobald Friedeborn, bei Christoph Finger ein hektischer Magengeschwürtyp, wendet sich in seiner Verzweiflung nicht mehr an ein Femegericht (wie bei Kleist), sondern an das Publikum, die bürgerliche Mitte, auf deren Verständnis er rechnen kann, schließlich geht es um das besorgt verklärte Beäugen des zumeist einzigen Kindes: Da hatte man schon einen Schwiegersohn für das Mädchen ins Auge gefasst (bei dessen Nennung des Mädchens Zeigefinger tief in ihrem Mund verschwindet), und da läuft sie diesem Graf vom Strahl hinterher, der doch gar nichts von ihr wissen will! Keine Frage, ein typischer Fall elterlicher Überbehütung – das Glas Milch für die Kleine folgt auf dem Fuße.
Dieser doppelbödige Aufgalopp könnte eine Ahnung dessen geben, warum David Bösch sich zum Spielzeitauftakt in Essen das «Käthchen von Heilbronn» vorgenommen hat. Wer jedoch auf ...
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Spannungsarm lehnt der Gatte an der Küchenzeile. Die Frau hat sich in einen Wutanfall hineingesteigert, schreit «du elender Kerl» und streicht sich eine absichtsvoll drapierte Grauhaarsträhne aus dem Gesicht. Er wolle jetzt «keine kleinkarierte Rechnung aufmachen», erwidert der Gatte in stilechtem Vorabendseriendeutsch und sitzt die Sache erst mal aus. Man scheint...
Nicht, dass London ein verschärftes Alkoholproblem hätte. Seit die uralten englischen Lizenzgesetze letztes Jahr gelockert wurden und besonders in den Großstadtpubs der Ausschank nicht mehr gnadenlos um 23 Uhr endet, ist der einzige Unterschied, dass die Kleingruppen trunkener und taumelnder Angelsachsen nicht mehr alle wie auf Kommando auf die Straße stürmen,...
Wenn Freunde und Weggefährten sich an ihn erinnern, dann sprechen sie voller Zärtlichkeit von einem Wüstling. Von einem, so klingt das manchmal, der längst verloren war, bevor sie ihn verloren haben. Der rabiat mit sich und mit anderen umsprang und dabei höchst empfindsam – und empfindlich – war.
Mit Dieter Roth, dem 1998 verstorbenen vielseitigen Künstler,...
