Spätmoderne Zeiten
Eigentlich geht es Fräulein Agnes allerbestens: keine größeren finanziellen Sorgen, eine schöne Altbauwohnung, ein reiches Kulturleben, das sie in einem gerngelesenen Blog mit ihren Mitmenschen teilt, ein junger Liebhaber, über dessen gelegentlich anderweitigen Interessen sie großmütig und weise hinwegsieht. Kurz: Fräulein Agnes lebt im kulturbürgerlichen Paradies auf Erden.
Was jedoch leider nicht besonders zu ihrer persönlichen Zufriedenheit beiträgt.
Wie jeder gute Menschenfeind seit Molière kippt sie schon in ihrem ersten Monolog, einem vernichtenden Wutblutsturz, kübelweise Verachtung auf die lokalen Künstler, Salons, Kunstvereine und andere Kulturbetriebsnotwendigkeiten und analysiert das schöne, bunte, aufgeklärte Kreativ- und Reflexionsmilieu, deren eindrucksvoller Leuchtturm sie ist, mit ausdauernder Wahrheitsliebe in Grund und Boden. Von Freitagabend bis Sonntagvormittag – von der Autorin peinlich genau dokumentiert – pointiert sie dabei mit schneidender Intelligenz ihren ganzen, nicht unerheblichen Bekanntenfreundeskreis aus ihrem Leben heraus.
Rebekka Kricheldorfs «Fräulein Agnes» ist vermutlich die eindrucksvollste und treffsicherste intellektuelle Selbstabschaffung ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Best of ... Mülheimer Stücke, Seite 20
von Franz Wille
«Warum schweigen Sie denn die ganze Zeit?», fragt die Prüfungskommission der Universität Arizona den 18-jährigen Hal Incandenza mit wachsender Ungeduld. Offensichtlich hat der hochbegabte Tennisnachwuchs nicht nur ein ernst zu nehmendes Kommunikationsproblem, auch Selbst- und Fremdwahrnehmung driften auseinander: «Ich bin hier drin. Ich bin nicht, was Sie sehen.»
...
Der Belgier Luk Perceval, 60, hatte schon einmal weniger Respekt vor dem Alter. In seiner sehr freien Shakespeare-Bearbeitung «L. King of Pain» (2002) gab Thomas Thieme einen Lear als Alzheimer-Patienten, der seine Angehörigen auf eine harte Probe stellte. Als fleischgewordene Zumutung waren «Scheiße» und «Fotze» seine Lieblingswörter, in seiner Altersgeilheit...
Theater heute Herr Hausmann, wann sind Sie denn zuletzt rassistisch angesprochen worden?
Ernest Allan Hausmann Gerade neulich in Wien im Cafe Hummel, Ecke Josefstädter Straße, wohin ich öfter gehe, weil man dort gut Fußball gucken kann. Ich wurde von den regelmäßigen Gästen auch gegrüßt, saß da und habe mich ganz nett mit zwei älteren Herren unterhalten. Auf...
