Lust, Revolte und Passion
Das Theater als Turm zu Babel, der aber nicht zusammenkracht, sondern stabil steht – dieses Bild trifft das Ruhrgebiet mit seiner Tradition als Einwanderungsland nicht schlecht und ein «Festival der Künste», wie die Ruhrtriennale sich im Untertitel nennt, ohnehin gut. Auch aus Heimweh kehrt Johan Simons aus München, wo er die Kammerspiele zum vielsprachigen Projektraum entwickelt hat, in die Nähe zu Holland zurück, wo seine Familie lebt. Als fünfter Intendant – nach Mortier, Flimm, Decker, Goebbels – wird er drei Jahre lang die Ruhrtriennale leiten.
Seine erste Saison schlägt mit Wucht auf. Wir treffen uns zum Gespräch in Simons’ Büro der Kultur Ruhr GmbH in Gelsenkirchen.
Andreas Wilink Die Ruhrtriennale expandiert, während andere Kultureinrichtungen stagnieren oder schrumpfen. Ist das eine andere Form der Stadtraum-Expedition, wie Sie sie in München unternehmen, nur bezogen auf eine größere Fläche? Sie eröffnen eine neue Spielstätte. Ein Kraft-Akt, um mit dem Namen der Ministerpräsidentin zu spielen, denn die Ruhrtriennale ist das NRW-Landesfestival.
Johan Simons Wie Sie sagen, ein Kraftakt, zumal wir eine erhebliche Anzahl von Uraufführungen stemmen. Und noch kräftig daran ...
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Theater heute März 2015
Rubrik: Akteure, Seite 42
von Andreas Wilink
Entweder lebst du hier und hast dich nun eingewöhnt oder du gehst fort von hier und hast es so gewollt oder du stirbst und hast es geschafft. Darüber hinaus gibt es nichts. Sei also heiteren Gemüts.»
Das wäre doch mal ein Spielzeitmotto: Dar-über hinaus gibt es nichts. Sei also heiteren Gemüts! Der 2000 Jahre alte Aphorismus des stoischen römischen...
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
was ist los in Deutschland? Diese Frage wird heute vor allen Dingen von unseren europäischen Nachbarn gestellt. Die Briten fragen sich: «Oh Gott, wie ist es uns bloß passiert, dass wir daran glauben konnten, dass die moderne Gesellschaft eine bloße Dienstleistungsgesellschaft mit einem fetten finanzindustriellen Komplex sein...
Schiller auf seinem Denkmalsockel in Weimar blickt eindeutig nach links (Goethe daneben schaut etwas unentschlossen geradeaus). Hinter den beiden an der Fassade des Nationaltheaters hängt ein riesiges Plakat mit einem durchgestrichenen Abbiegerpfeil: «Gegen Rechts». So weit politisch alles klar in der Klassiker-Stadt?
Zwei Tage in Weimar, einer davon der 70....
