Die Sieger der Geschichte
In der Rückbesinnung auf das individuelle Geschick fand Kantor
zu seiner künstlerischen Maxime: der «Realität des niedrigsten Ranges». Von den Anfängen im Untergrundtheater während des Zweiten Weltkrieges bis zu den Schlussproben von seiner letzten Produktion «Aujourd’hui c’est mon anniversaire» hat diese Maxime sein Schaffen bestimmt.
Das individuelle Leben ist in diesem künstlerischen Kosmos den Kreisläufen der Geschichte hilflos ausgeliefert. Die Zyklen der Wiederholung finden sogar mit dem Tod der Bühnenfiguren kein Ende.
Kantors Gestalten sterben – und setzen ihr Leben fort, als wäre nichts geschehen. Nicht einmal der Tod kann die Figuren aus dem gleichförmigen Einerlei ihres Lebens befreien. In der «Toten Klasse» stehen die Schüler wieder auf, nachdem sie von der Putzfrau (Stanislaw Rychlicki) mit der Todes-Sense umgebracht worden sind. Auch in «Wielopole, Wielopole» finden die Familienmitglieder kein Entkommen aus den Kreisläufen ihrer tragikomischen Existenz. Großmutter Katarzyna (Jan Ksiazek) will die Ebenbildpuppe des Priesters beerdigen, eine Stoffpuppe mit nachgebildetem Kopf und weißem Talar, doch nirgends findet sie dafür einen geeigneten Platz. Der Tod des ...
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Theater heute Juni 2015
Rubrik: Theatergeschichte, Seite 24
von Klaus Dermutz
Ein dunkler, durchsichtiger Screen verschattet die Szene. Darauf erscheint der Stücktitel, «Jean Genet, Die Zofen», wie aufgemalt, ein schreiend weißes Schriftbild, wie es die Film-noir-Typografen der 40er liebten. Schon fährt eine subjektive Livecam auf nackte Frauenschulterblätter zu, ein grausiger Handschuh greift mordlüstern ins Bild, die Dame am Schminktisch...
Dass die mindestens hundertachtzig Fremdsprachen beherrschende Karrieristin Verena Schütz (Barbara Dussler) nach ihrem Bewerbungsgespräch im Stadtpark beinahe von einer Krähe erschlagen wird, schürt natürlich erst einmal große apokalyptische Hoffnungen. Das Internet versagt, der Strom fällt aus, die Konsumenten schieben Panikattacken, und das Animalische segelt...
Ziemlich unverhofft» sei sie an die schöne runde Million gekommen, die sie der Theaterszene einmalig in Form eines Preises zukommen lassen will, sagt Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien. Sie sitzt im Bus zwischen Mülheim und Bonn, umgeben von Mitarbeitern aus ihrem Ministerium, den Organisatoren vom Theatertreffen und ein paar Journalisten. Eine...
