Männer und Flaschen
Kurz vor der Premiere muss Richard III. doch noch überstürzt zum Friseur gelaufen sein. Auf den Probenfotos im Programmheft trägt er noch Seitenscheitel zum halblang glatten Haar – wie ein pummeliger Oscar Wilde, der zu lange in den Spiegel geschaut hat. Zum Burgtheater-Rosenkriegsfest erschien er dann allerdings mit kurzem, wildem Stoppelschnitt. So sehen kosmetische Verzweiflungstaten aus, wenn jeder weiß, dass irgendetwas nicht stimmt, aber niemand genau sagen kann, was. Manchmal kennt nicht einmal der Friseur die Antwort.
Shakespeares «Rosenkriege» sind ein stattlicher Vierspänner der politischen Dramatik. Der Aufstieg und Fall der York-Dynastie auf dem englischen Thron beginnt mit dem Tod Heinrichs V., des legendären Frankreich-Eroberers, der zum allgemeinen Unglück nur eine Leerstelle hinterlässt. Sein Sohn Heinrich VI. wird als Kind gekrönt und entwickelt auch in späteren Jahren mehr Lust am Studieren als am Regieren. Während in Frankreich Jeanne d’Arc den Engländern Burg um Burg wieder abnimmt und wackere Feldherrn niederringt, vertreibt man sich in London die Zeit mit Machtspielen und Hofintrigen. Das politische System, in seiner Legitimität nach unten zu den Lords und ...
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In der «Süddeutschen Zeitung» hat Peter Laudenbach gejubelt: In der «maroden» Volksbühne bekäme man, «was man in diesem grauen Bunker zu allerletzt erwartet hätte: eine Inszenierung, die in ihrer großen Leichtigkeit ziemlich gute Laune macht». Und weiter: «Der Plot ist simpel: Vater Ubu, ein vulgärer Dummkopf, ermordet den König von Polen, um selber König zu werden...
Troilus und Cressida stehen Romeo und Julia in vielem nach, nicht nur, was ihren Popularitätsgrad anbelangt, sondern auch im Extremismus ihres Gefühls. Wo das trojanische Paar zaudert und zögert, weil Cressida für sich erkannt hat: «Begehrt wird die nur, die sich ziert», stürzen sich die beiden jungen Veroneser mit haltloser Unbedingtheit in ihre Liebe, die sie...
Stalins Russland – Putins Russland, die Ähnlichkeiten zeigen Grundstrukturen der russischen Gesellschaft: Bürokratie, Despotismus, Korruption. Sebastian Baumgartens Inszenierung von Bulgakows «Der Meister und Margarita» zeigt vor allem Parallelen. Der satirische Roman aus der Stalin-Zeit wird mit allen Mitteln der dekonstruktivistischen Theaterästhetik auf die...
