Schlechter Schnaps

Euripides «Bakchen»

Theater heute - Logo

Am Ende einer Spielzeit, in deren programmatischem Zentrum «Macht und Rausch» stehen sollten, hat das Ur-Stück zum Thema nicht fehlen dürfen – «Bakchen», das Schlachten-Spektakel des Euripides über die finstre Rache eines Gottes; und über die Unfähigkeit des Menschen, die soziale Kontrolle zurück zu gewinnen, wo doch um ihn herum gerade alle und alles (und auch das eigene Ich) jeder Ordnung zu entgleiten beginnen.

Pentheus, der neue Herrscher in Theben, will einschreiten gegen den lustvollen Kult des Dionysos, der schon die ganze Stadt erfasst hat, vor allem aber deren Frauen; Dionysos selbst, Gott des Rausches (und des Theaters), lässt sie zu archaisch Blut-wie-Wein-säuferischen Bacchantinnen werden in sei­nem Gottesdienst; und er führt auch Pentheus unter die wilden Weiber. Agaue ist unter ihnen, Mutter des Pentheus und Tochter des greisen Stadt-Gründers Kadmos – sie selber, so will es die Fabel, zerfetzt in göttlichem Rausch den eigenen Sohn. Mit ihm zerstört sie die Macht.

 

Gustav Ruebs Inszenierung befindet sich vom ersten Augenblick an in der Kreativ-Falle eines unausweichlichen Bühnenbilds; das Szenario gibt einen Weg vor, der von nun an kein Entrinnen lässt, keine Chance ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2009
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Michael Laages

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sekunde durch Hirn

Einer sehr pessimistischen Philosophie zufolge ist die Entfremdung in Gesellschaften der bei uns vertrauten Art so weit vorangeschritten, dass kein Rest bleibt, keine Regung, kein Wunsch und kein Begehren, die nicht die Imperative der vermarkteten und verwalteten Welt vollstrecken.

 

Das Bestechende an dieser düsteren Interpretation ist ihre Unwiderlegbarkeit. Wer...

Der Schnappschuss als Waffe

Vier Männer stehen dicht beieinander auf einem Bürgersteig in Teheran und reden über die bevorstehende Wahl. Einer der Männer beugt sich vor, unterstreicht mit heftiger Geste seine Worte. Seine Gesprächspartner blicken skeptisch, auf dem Sprung, ihm zu widersprechen.

Zwei Tage nach der Präsidentschaftswahl rollt ein Laster über einen belebten Platz im Norden...

Geschichten aus dem Exil

Nach 42 Produktionen mit 275 Aufführungen an 21 Orten, 125.000 verkauften Eintrittskarten und einer Auslastung von 94 Prozent, so die Bilanz des Festivals, knüpft das Leitungsduo Hortense Archambault und Vincent Baudriller quantitativ an die Vorjahreserfolge an. Qualitativ stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, fast lückenlos den weltweiten Festivalmainstream...